"Rustler" im Test: Das "GTA" des Mittelalters

Stehlen, prügeln, Chaos stiften: Was man aus "GTA" kennt, gibt es nun auch in "Rustler". Allerdings im Mittelalter mit Pferden und Rittern.

Games, die offensichtlich von vor allem früheren "Grand Theft Auto"-Games inspiriert wurden, scheinen derzeit Hochsaison zu feiern. Nach "Glitchpunk", das kürzlich in den Early Access gestartet ist und die Action in die Zukunft verlegt, geht es mit "Rustler" für PlayStation- und Xbox-Konsolen sowie PC und Nintendo Switch nun weit zurück ins Mittelalter. Und auch hier stand vor allem "GTA 2" wie schon bei "Glitchpunk" Modell, wie die Entwickler von Jutsu Games frei heraus bestätigen.

Der Einstieg ist gleich einmal derb: Als Protagonist und Antiheld Guy wacht der Spieler mit einem immensen Kater vor einer Taverne auf uns wird zur Morgen-Begrüßung gleich von einem NPC, dem unser Verhalten so gar nicht passt, mit den Fäusten bearbeitet. Die darauf folgende Handlung ist eher seicht: Gauner Guy will das Große Turnier des Mittelalters gewinnen und damit die Prinzessin erobern. Dazu gilt es, verschiedene Herausforderungen zu bewältigen, die verrückter kaum sein können.

Realvideo, Gemurmel und Untertitel

Spannend: Vor dem Start des Spiels gibt es ein eingespieltes Video, in dem sich reale Schauspieler nicht allzu ernst nehmen und in Mittelalter-Klamotten einen Kampf starten. Solche Realszenen stellen eine absolute Ausnahme in Spielen dar und gefallen, obwohl sie sehr simpel daherkommen. Danach ist es aber vorbei mit der Real-Aufmachung: Gespielt wird in Top-Down-Perspektive, dazu gibt es als Sprachausgabe nur Gemurmel, die vollen Texte auch auf Deutsch liest man in Untertiteln.

Die Steuerung geht recht einfach von der Hand. In der getesteten Version für Nintendo Switch greift man mit der rechten Schultertaste an, geblockt und gekontert wird mit der linken. Außerdem kann die Spielfigur per Stick bewegt werden und per Button-Druck Aktionen auslösen, seien es nun Gespräche, Diebstähle oder Vandalismus. Im Auge behalten muss man vor allem in Kämpfen aber eine Ausdauerleiste, die sich ebenso wie der Lebensbalken leeren kann.

Große spielerische Abwechslung

Ist man anfangs noch mit bloßen Fäusten und zu Fuß unterwegs, stößt man schnell auf Transportmittel wie Pferde und kann auch Waffen wie Keulen oder Armbrüste einsacken. Weiters verfügt Guy über einen recht simplen Fähigkeitenbaum, der mit dem Erfüllen der vielen Missionsziele immer weiter freigeschaltet werden kann. Schön dabei: Sowohl Haupt-, als auch Nebenmissionen gleichen sich so gut wie nie, was die spielerische Abwechslung erfreulich hoch hält.

Skurrile Aufgaben und Dialoge gibt es übrigens im Minutentakt: Hört man sich nicht gerade derbste Schimpfwörter oder schmutzige Witze in Gesprächen mit den Dorfbewohnern an, kann man sich bei Kutschenrennen messen, Mitstreiter im Turnier im Kampf Mann gegen Mann verprügeln, aber auch Kühe durch die Gegend katapultieren oder Leichen nach wertvollen Habseligkeiten durchsuchen. Ganz ungestraft bleibt das alles aber nicht, denn schnell ist die Wache eingeschaltet.

Teils etwas unpräzise Steuerung

Gerade was die Fahndung nach uns betrifft, zeigt sich "Rustler" wenig versöhnlich. Zwar kann man versuchen, die Fahndungszeichnungen an verschiedenen Orten des Spiels abzureißen und damit jeweils einen Verfolger abzuschütteln, dazu bleibt aber oft keine Zeit. Das liegt nicht alleine an den sehr schnellen Verfolgern zu Pferd, sondern auch daran, dass in hektischen Situationen die Steuerung der Spielfigur zu unpräzise funktioniert, weshalb wir öfters in Hindernissen landen.

Auch grafisch gibt es gerade in der Switch-Version einige Probleme. Der "GTA 2"-Look gefällt zwar insgesamt gut, doch die Spielfiguren werden in manchen Situationen so klein dargestellt, dass sie kaum noch erkennbar sind. Vor allem in Kämpfen mit mehreren Gegnern gibt es da kaum mehr eine Übersichtlichkeit. Auch die Mini-Map in der Bildschirmecke ist oftmals nur sehr schwer erkennbar – und dient sowieso nur als Anhaltspunkt, den Wegmarkierungen darf man darauf keine setzen.

Kritikpunkte bremsen den Spielspaß

"Rustler" macht dennoch vieles richtig: Die Missionen könnten abwechslungsreicher nicht sein, die Handlung ist mit viel Humor erzählt und das Skill- und Kampfsystem ist motivierend ausgefallen. Außerdem läuft das Spiel immer flüssig ab und bietet von technischer Seite keinen Raum für Kritik. Schade, dass einige Punkte wie die Steuerung oder die Übersichtlichkeit das Abenteuer immer wieder unsanft einbremsen. Auch das Speichersystem bereitete im Test etwas Kopfzerbrechen.

Zwar speichert das Spiel an Checkpoints immer wieder automatisch, abseits davon kann aber nicht frei gespeichert werden. Dazu muss man später erst Safehouses aufsuchen, um den Fortschritt dort sichern zu lassen. Immerhin: Viele dieser Häuser sorgen auch dafür, dass wir ein regelmäßiges Einkommen besitzen, was das System nicht ganz so frustrierend macht. Der Ärger ist aber groß, wenn man besondere Items gefunden hat und das Spiel ohne speichern beendet. Die sind dann futsch.

Nettes Mittelalter-"GTA" mit Macken

Trotz aller Kritik ist "Rustler" ein echtes Mittelalter-"GTA" geworden. Vor allem langjährige "GTA"-Fans werden das Spiel zu schätzen wissen und sich über liebevoll gestaltete Missionen und pures Chaos in der offenen Spielwelt freuen. Die Grafik erinnert extrem an den kultigen "Grand Theft Auto"-Titel, der Inhalt ist jedoch weit abwechslungsreicher ausgefallen. Doch auch Neulinge dürften mit den genannten Macken nach einigen Spielstunden ganz gut klarkommen.

Etwas Ärger ist aber dann um die vertanen Chancen rund um den Titel doch angesagt, denn "Rustler" könnte mit kleinen Verbesserungen bei der Steuerung, dem Speichersystem und der Übersichtlichkeit nicht nur gut, sondern sogar grandios ausfallen. Hoffen darf man da als Spieler noch auf mögliche Updates und Patches für das Game, die die Entwickler möglicherweise in den kommenden Wochen noch nachliefern könnten. 

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