Der gefangen genommene Sohn des getöteten libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi, Saif al-Islam, äußerte sich erstmals vor TV-Kameras zu seiner Verhaftung. Dabei verschwieg er allerdings, dass er sich zuerst als Kameltreiber ausgab, um seine Flucht fortzusetzen.
Große Reden schwingen und gegen den Westen wettern, ist Saifs Ding. An seiner schauspielerischen Leistung sollte er allerdings arbeiten. Wie jetzt bekannt wurde, hatte sich der Sohn des getöteten libyschen Ex-Diktators Muammar al-Gaddafi als Kameltreiber verkleidet, als er versuchte in den Niger zu flüchten. Doch kurz vor der Grenze wurde sein Konvoi von den Rebellen entdeckt und nach mehreren Warnschüssen zum Anhalten gezwungen.
Saif soll dann aus dem Auto gesprungen sein, sich zu Boden geworfen und sein Gesicht mit Sand eingerieben haben. Außerdem behauptete er: "Ich bin Abdul Salem, ein Kameltreiber." Die Rebellen fielen darauf nicht rein und nahmen den Diktatorensohn fest und brachten ihn nach Sintan.
Erstes Interview nach Festnahme
Die Haft ist für al-Islam ein Treffen mit Freunden, behauptet Saif. Er sei unter seinen Brüdern und es gebe keine Probleme. "Wir beraten und unterhalten uns und diskutieren über viele Dinge", erklärte er im Interview mit dem Zintan Media Centre. "Wir sind hier unter unseren Freunden und wir bekommen hier in Sintan medizinische Behandlung", fährt al-Islam fort. Von Verhaftung und Gefangenschaft könne keine Rede sein: "Wir haben zugestimmt, dass wir hier in Sintan die medizinische Hilfe bekommen, die wir brauchen."
Stolz berichtet al-Islam, der zurzeit an einem geheimen Ort in Sintan festgehalten wird, wie er bei einem Nato-Angriff Verletzungen davontrug. "Nachdem wir Bani Walid verliessen, wurden wir von Nato-Kreuzrittern getroffen", erzählt al-Islam, der auf Fotos aus einem Flugzeug bei seiner Verhaftung Verletzungen an seiner rechten hand aufwies. Bei dem Angriff seien 26 seiner Leute getötet und viele - auch er selbst - verletzt worden. Wiederholt wettert al-Islam gegen die Nato, die Libyer selbst, von denen er gafangen genommen wurde, sieht er hingegen als "Kameraden und Freunde".