Saisonier am Arlberg: "Ich will nur nach Hause"

Der Kroate Ivan J. (27) ist seit 19 Tagen in Quarantäne am Arlberg und wünscht sich nichts mehr, als nach Hause zu kommen. Das ist aber nicht so einfach.
Am 13. März verkündete die Regierung die Isolierung von Paznaun und St. Anton in Tirol. Einige Gäste und Saisonarbeiter konnten diese Orte nicht verlassen. Viele mussten aus Sicherheitsgründen in Selbstisolierung und in Quarantäne. Einer davon ist Ivan J. Der 27-jährige Kroate arbeitete in einem Hotel in St. Anton am Arlberg, wie bereits im Jahr davor. Am 14. März musste er seine Kündigung unterschreiben.

Was passierte nach der Kündigung?

Wir wurden in Quartiere für Mitarbeiter des Hotels untergebracht und mussten dafür auch nichts zahlen. Am Anfang bekamen wir noch Essen vom Hotel, doch dann mussten wir für die Verpflegung selbst aufkommen. Das ist natürlich für uns viel Geld. Wir sind hier zum Arbeiten hergekommen und nicht zum Leben in einem teuren Touristen-Ort. Noch dazu haben viele von uns Geld verloren, mein Vertrag hätte nur sieben Tagen später enden sollen, aber für andere ist der Schaden sehr viel höher.

Wie haben Sie die Quarantäne verbracht?

Mit Netflix, Spiele spielen und schlafen. Unsere Gemeinschaft der Saisonarbeiter hier ist auch gut. Wir haben viel Kontakt miteinander per Telefon und haben uns gegenseitig bei Laune gehalten.

CommentCreated with Sketch. zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Haben Sie und Ihre Kollegen Informationen erhalten?

Wir Saisonniers haben so gut wie keine Info erhalten. Vor allem wir Kroaten hatten keine Information, wie es weitergehen wird. Wir wurden auch nicht getestet und ich kenne derzeit niemanden hier, der den Virus hat.

Wie ist es dann weitergegangen?

Ab dem 28. März 2020 haben wir mitbekommen, dass immer mehr Menschen den Ort verlassen dürfen. Die Engländer, die Schweden, die Norweger, die Ungarn und die Deutschen wurden bereits nach Hause gebracht. Alle im Konvoi - also mit Polizeischutz. Auch wenn sie mit ihren eigenen Autos hier sind, dann fahren sie alle gemeinsam in einer Kolonne. Das haben wir beobachten können. Wir haben dann auch unsere Botschaft kontaktiert, wir Kroaten. Heute wurden die Griechen und Italiener nach Hause gebracht. Morgen sollen dann endlich auch wir die Heimreise antreten dürfen. Das hat uns unsere Botschaft per Mail geschrieben. Insgesamt sollen rund 40 Kroaten noch hier sein

Haben Sie Angst, sich bei der Heimreise mit COVID-19 anzustecken?

Nein. Ich habe keine Angst. Wenn das passieren sollte, dann wird es wohl Schicksal sein. Mein größter Wunsch derzeit ist es, einfach nur nach Hause zu fahren.

Werden Sie wieder nach Tirol zurückkehren?

Wissen Sie, die Mitarbeiter müssen hier viel leisten und schnell arbeiten, immer einsatzfähig sein. Ein Burger kostet 24 Euro, mit Filetsteak sogar 40 Euro. In der Küche wurden wir immer später eingeteilt, Überstunden werden sehr widerwillig gezahlt. Ich weiß, dass 90% der Arbeiter nicht mehr nach Tirol kommen werden. Viele haben durch all diese Vorfälle auch gelernt, dass man die Verträge gut ansehen muss. Wir hätten auch die Kündigung nicht sofort unterschreiben müssen. Andere Arbeiter haben es nicht gemacht und sie bekommen weiterhin Geld, da auch die Hotels Förderungen erhalten.

Land Tirol bestätigt Ausreise von Saisoniers und Touristen

Das Land Tirol berichtete, dass am Samstag 275 Briten – die meisten davon Saisonarbeiter – aus dem Paznaun und aus St. Anton nach Innsbruck gebracht und mit zwei Flugzeugen nach Hause geflogen wurden. Ebenso 75 Schweden und eine Finnin konnten abreisen.

Am Montagnachmittag durften dann weitere 440 deutsche Staatsbürger und 460 Ungarn die beiden Quarantäne-Regionen verlassen. Sie konnten mit ihren Privatautos bzw. mit Bussen abreisen – ohne Zwischenstopp, eskortiert von der Polizei bis zur Grenze. Am Dienstag konnten bereits die ersten 13 Kroaten, 27 Slowenen abtransportiert werden. Sieben Slowenen sollen positiv getestet worden sein.



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