Samsung Neo QLED im Test: Das Beste zweier Welten

Samsung betritt mit seiner Neo QLED TV-Serie Neuland. "Heute" hat getestet, was die  "Quantum Matrix Technologie" alles kann und wie gut die TVs sind.

Mit Spannung wurde Samsungs neue TV-Technologie erwartet, die nun mit der Neo QLED Serie erschienen ist. Gleich fünf Modellreihen mit je drei bis vier verschiedenen Größen werden geboten, vom 4K-Modell ab 50 Zoll um 1.699 Euro bis hin zum 8K-Flaggschiff mit 85 Zoll um 10.999 Euro. "Heute" hat das 4K-Modell "65QN95A" mit 65 Zoll Bildschirm um 2.999 Euro getestet. Und der neue Fernseher hat dabei mächtig Eindruck hinterlassen, sowohl beim Bild, als auch den Funktionen.

Waren TVs über die letzten Monate und Jahre meist nur Updates der jeweils vorangegangenen Modelle, startet Samsung mit seinen Geräten tatsächlich eine ganz neue Technologie. Hinter Neo QLED verstecken sich dabei gleich mehrere Technologien. Die größte davon ist, dass Samsung die LED-Leuchten direkt in der Display-Fläche mit Spezialbeschichtung unter dem Bildschirm verbaut, statt sie wie bei LCD-Bildschirmen üblich in einem eigenen Gehäuse hinter dem Display zu montieren. "Quantum Matrix Technologie", nennt das Unternehmen dies. Die Mini-LEDs sind dabei nur mehr ein 40stel so groß wie normale TV-LEDS.

Neo QLED vereint das Beste beider Welten

Die LEDs leuchten also nicht nur heller als mit der Standard-Technologie und werden in mehr Zonen als zuvor angesteuert, es lassen sich auch viel mehr Stück in den neuen Fernsehern unterbringen. Außersem kommen die bereits bekannten "Quantum Dots" zum Einsatz. Die Nano-Materialen befinden sich zwischen LCD-Display und LED-Schicht, sie sorgen für die Farbgebung des TV-Geräts. Die Folge: Helle Bildbereiche können tatsächlich hell strahlen, während in dunklen Bildbereichen der TV die LEDs dimmt und damit ein atemberaubender Kontrast möglich wird. Und auch Farben kommen extrem gut zur Geltung. Ein Beispielvideo ist hier zu sehen:

Im "Heute"-Test zeigt sich, dass die neuen Neo QLED TVs das Beste beider Welten, nämlich von LCD- und OLED-Fernsehern, in sich vereinen. In den neuen TVs gibt es sowohl die von LCD-Modellen geschätzte hohe Helligkeit bei gleichzeitig von OLED-Geräten bekannten realistischen Farben, tiefsten Schwarztönen und perfektem Kontrast sowie auch scharfe Details bei schnellen Bewegungen am Bildschirm. Angesiedelt ist die Leistung insgesamt weit über herkömmlichen LCDs und minimal unter den OLED-Flaggschiffen, dafür gibt es aber auch keine OLED-typischen Gefahren wie Einbrennen oder Leistungsverlust.

Extrem blinkwinkelstabil und kaum spiegelnd

Das Testgerät zeigt aber noch weitere Top-Eindrücke im Test. Der Betrachtungswinkel ist hervorragend groß, die Blickwinkelstabilität stellt so gut wie alles bisher Dagewesene in den Schatten. Zudem kommt der Fernseher auch super mit wechselnden Lichtverhältnissen zurecht: Selbst bei direkter Sonneneinstrahlung sind die Bildschirminhalte noch deutlich erkennbar, die Spiegelungen geringer als gedacht. Das liegt an einer speziellen Entspiegelung der Oberfläche, die jedoch bei ausgeschaltetem Monitor trotzdem kaum sichtbar ist. Bei anderen Geräten gibt es dagegen unschöne "Schleier".

Das TV-Gerät selbst fällt mit seinem 1,3 Zentimeter dünnen Metallrahmen und einer maximalen Tiefe von nicht einmal 2,6 Zentimetern extrem schlank aus. Das Bild wirkt vor allem mit etwas Abstand so, als würde es sich über die komplette Vorderseite ziehen. Umso klobiger kommt der Standfuß mit einem Gewicht von rund sieben Kilos und den Maßen 34 x 28,5 Zentimetern daher. Doch das schwere Teil "versteckt" sich schön hinter dem TV-Gerät, so dass nach vorne nur ein schmaler Steg sichtbar ist. Kabel können in den rückwärtigen Rillen des Fußes versteckt werden, das TV-Gerät selbst hält durch vier kleine Schrauben äußerst stabil.

Neue Box als Herzstück der Anschlüsse

Etwas ungewohnt: Zum Betrieb des Samsung-TVs braucht es die mitgelieferte externe und neue (beim QN95A sowie den 8K-Modellen) Anschlussbox, die mit 33 x 30 Zentimeter doch recht groß ausgefallen ist. Durch das neue Design mit einer strukturierten Oberfläche fügt sie sich dennoch gut in eine TV-Landschaft ein. Einziger Wermutstropfen: Beim getesteten Modell muss sie "neben" dem TV-Gerät beziehungsweise dem Standfuß betrieben werden und macht somit zumindest das Netzkabel von vorne sichtbar. Bei den 8K-Modellen kann die Box dagegen als alternativer "Standfuß" genutzt werden, was einen komplett kabelfreien Look des TV-Geräts ermöglicht.

Die Box ist gleichzeitig auch das Anschluss-Herzstück des Fernsehers, das ihn per Kabel mit Strom versorgt und alle möglichen Anschlüsse von Antennen-Verbindungen sowie vier HDMI-2.1-Eingängen über drei USB-Ports bis hin zum CI-Steckplatz bietet. So können nicht nur die übrigen Kabel von Konsolen und Co. versteckt, sondern auch schön geordnet werden. Die Einrichtung des TV-Geräts selbst geht blitzschnell: Kabel verbinden, mit den Samsung-Account anmelden oder einen Erstellen, mit den Internet verbinden, fertig. So gut wie alles richtet der TV automatisch selbst ein. Vorteil der teureren Modelle: Sie sind auch beim Bild ab Werk vorkalibriert, so dass vor allem Filme noch besser zur Geltung kommen. Tatsächlich ist der Eindruck perfekt: Selbst pingelige TV-Enthusiasten finden keine Bildeinstellungen, an denen sie noch schrauben müssten.

Hält mit OLEDs mit – und schlägt sie zum Teil

Wie gut der TV wirklich ist, zeigt sich daraufhin schon in den ersten Minuten bei neuen Kino-Blockbustern. Lichter wie Scheinwerfer können teils so hell werden, dass sie kurz die Augen blenden (rund 1.800 sollen möglich sein), Gesichter und Personen wirken fast in 3D und Bewegungen bleiben in jeder Situation knackig scharf und bei bis zu 120 Hertz superflüssig. Es ist beinahe unglaublich, wie nah der Neo QLED selbst den teuersten OLEDs bei den Schwarzwerten kommt, über alle Kategorien wie Farbgebung, Kontrast, Schärfe und Helligkeit hinweg gibt es dagegen nichts, bei dem der TV mit einem auch teureren OLED-Konkurrenten nicht mithalten, wenn ihn nicht sogar schlagen könnte.

Sowohl Anfänger als auch Experten dürfen sich über eine Palette bestens abgestimmter Bildmodi von "Standard" bis "Film" freuen, die nur manchmal bei Filmen mit starken Dunkelblau und Dunkelgrün-Tönen die Farben minimal kalt wirken lässt. Zudem kann die Helligkeit automatisch an das Umgebungslicht angepasst werden, was hervorragend und ohne direkt bemerkbare, störende Wechsel geschieht. Samsungs TV-Oberfläche selbst bietet Zugang zu allen denkbaren Apps und Diensten von Samsung TV Plus und Rakuten über Prime Video bis zu Netflix. Schönes Extra ist ein "Ambient"-Modus, wenn man nicht fernsieht. Er spielt Kunstwerke oder Naturszenen mit dazu passenden und dezent leisen Geräusche ein, was den Fernseher zu einer Art interaktivem Gemälde macht. Sich sanft bewegende Äste in Wäldern samt Vogelgezwitscher? Top!

Klasse Klang und Solar-Fernbedienung

Nicht nur das Bild, übrigens auch der Ton ist ohne Makel. Samsung verbaut im Testgerät neben den Hoch- und Tieftönern an der Unterseite auch zusätzliche Hochtöner auf der Rückseite. Der entstehende Sound ist laut, klar und warm mit überraschend starken Bässen. Selbst ohne zusätzliche Soundbar kommt so Heimkino-Feeling auf. Zudem schön gelöst: Anders als bei vielen TV-Geräten werden hier Musik, Geräusche und Sprache sauber voneinander getrennt, überlagern sich nicht gegenseitig und bleiben damit auch einzeln gut verständlich. Die handlich kleine Fernbedienung des Geräts besteht aus Kunststoff, was sie nicht ganz so edel macht. Dafür ist sie smart: Es gibt Wippen statt Knöpfe für Kanäle und Lautstärke; Netflix, Prime Video und Samsung TV Plus haben eigene Tasten. Und: Ein langlebiger Akku und eine Solarzelle ersetzen den Batterie-Wechsel. Ein Anhängen ans USB-Kabel dürfte nur ganz, ganz selten notwendig sein, Licht erledigt den Lade-Großteil.

Wie die Fernbedienung auch zeigt, kann der TV auch per Stimme über Alexa und Bixby gesteuert werden, der Google Assistant soll folgen. Und eine weitere Taste mit mehreren "Fenstern" und einem Plus darin weckt die Aufmerksamkeit. Tippt man darauf, aktiviert sich "Multi View". Dies ist eine moderne Version der Bild-in Bild-Funktion, die nicht nur zwei Inhalte neben- oder ineinander anzeigen kann, sondern auch als Zweitinhalt das Smartphone spiegelt oder mit einer verbundenen Webcam das eigene Bild bei Video-Konferenzen anzeigt. Samsung bietet sogar ein Fitness-Tutorial an, bei dem der Nutzer so kontrollieren kann, ob er die gezeigten Übungen auch richtig ausführt. 

Der beste LCD mit OLED-Ambitionen

Über eine eigene "Smart Things"-Anwendung und einen "digitalen Butler" wird das TV-Gerät außerdem zur Schaltzentrale des Smart Homes mit allen vernetzten Geräten. Zudem gibt es die Unterstützung bekannter Work-Dienste wie Samsung DeX oder Office-Apps, die den TV als PC nutzbar machen. Kleiner Kritikpunkt: An die Benutzeroberfläche muss man sich erst gewöhnen, denn sie ist zwar übersichtlich, versteckt aber viele Funktionen in den wenigen Menüpunkten, was anfangs zu etwas längeren Suchen führt. Beim Stromverbrauch muss man sich indes nicht unbedingt große Sorgen machen, im Schnitt 180 Watt benötigt der Fernseher, was in der unteren Hälfte der leistungsstärksten 65-Zoll-Modelle quer über alle Hersteller gesehen liegt. Mehr Möglichkeiten und smarte Funktionen kann man sich für einen TV nicht wünschen.

Der neue Samsung Neo QLED QN95A überzeugt jedenfalls im Test auf ganzer Linie. Der Sound des TV-Geräts ist gewaltig, dazu kommt ein Bild in so ungeahnt guter Qualität, dass einem neben den Augen auch der Mund offen stehen bleibt. Seine Stärken spielt der Fernseher aber auch bei der extremen Blickwinkelstabilität und der hervorragenden Entspiegelung aus. Gewöhnungsbedürftig ist nur die TV-Box, bei der Design-Freunde versuchen müssen, das Kabel zum TV-Gerät verschwinden zu lassen. Immerhin: Es braucht dadurch auch nur ein einziges Kabel, das an die Rückseite des Fernsehers führt. Typische LCD-Fernseher stellt der Samsung Neo QLED allesamt in den Schatten und legt sich stattdessen mit den besten OLEDs an. Für das Gesamtpaket sind damit auch die durchaus teuer wirkenden 3.000 Euro Kaufpreis gerechtfertigt.

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