Mit Erni Mangold verliert Österreich eine der markantesten Persönlichkeiten seiner Schauspielgeschichte. Ob auf der Theaterbühne, vor der Kamera oder als Professorin: Mangold machte sich über Jahrzehnte einen Namen und scheute auch abseits ihrer Rollen keine Auseinandersetzung. Laut "Standard" starb die Schauspiel-Legende am 5. September im Kreise ihrer Familie.
Geboren wurde sie am 26. Jänner 1927 in Großweikersdorf in Niederösterreich. Ihr Vater war Lehrer und Maler, ihre Mutter Pianistin. Die Familie übersiedelte später nach Wien.
Schon früh zeigte sich Mangolds unangepasste Art. Während der NS-Zeit verbrachte sie lediglich zwei Tage bei den Hitler-Mädeln. Als sie dort zum Singen und Marschieren aufgefordert wurde, schlug sie nach ihrer eigenen Schilderung der Anführerin ins Gesicht und kehrte nicht mehr zurück.
Während des Krieges lernte Mangold Helmut Qualtinger kennen. Er wurde zu einem wichtigen Menschen in ihrem Leben. Gemeinsam waren sie später unter anderem im Wiener Gutruf unterwegs.
"Weißt du, Erni", habe Qualtinger laut "Standard" einmal zu ihr gesagt, "ich glaube, die Russen fürchten sich vor uns." Nach Kriegsende zogen die beiden durch das zerstörte Wien. "Wie wilde Hunde", beschrieb Mangold diese Zeit später.
Ihre Ausbildung absolvierte sie an der Schauspielschule Krauss. Schon bald folgte ein Engagement am Theater in der Josefstadt. In den 1950er-Jahren wurde sie dort häufig als attraktive Blondine besetzt, die bestehende Beziehungen durcheinanderbringt.
In dieser Zeit erlebte Mangold nach eigener Darstellung immer wieder Übergriffe von Männern in der Theaterwelt. Sie sprach lange vor der späteren #MeToo-Debatte öffentlich darüber und setzte sich gegen derartige Zustände zur Wehr.
1955 ging sie nach Deutschland. In Hamburg stand sie unter anderem mit Gustaf Gründgens auf der Bühne. Mangold war mit dem Schauspieler Heinz Reincke verheiratet. 1975 wurde die Ehe geschieden, sie kehrte nach Wien zurück.
Später unterrichtete Mangold am Reinhardt Seminar. Zu ihren Schülern gehörten Michael Schottenberg und Christoph Waltz.
Auch ihre Karriere vor der Kamera setzte sie fort. Regisseur Peter Patzak besetzte sie unter anderem in "Kassbach" und "Die Weltmaschine" sowie in mehreren Folgen von "Kottan". Rainer Werner Fassbinder arbeitete ebenfalls mit ihr und gab ihr den Beinamen "weiblicher Charles Bronson".
Zu den Filmen, die Mangold besonders wichtig waren, zählten "Edelweiß", "Der letzte Tanz" und "Murer".
Auch im Theater blieb Mangold über Jahrzehnte gefragt. Sie spielte unter anderem am Wiener Schauspielhaus, am Theater in der Josefstadt und am Volkstheater. Ihr Repertoire reichte von Shakespeare und Nestroy über Horváth und Turrini bis zu Elfriede Jelinek.
Eine besondere Verbindung hatte sie zur Wiener Lyrikerin Elfriede Gerstl. Mangold interpretierte deren Gedichte und fand in ihr eine Seelenverwandte.
Wie wenig Erni Mangold mit großen Inszenierungen um ihre Person anfangen konnte, zeigte sich schon beim Titel ihrer 2011 entstandenen Autobiografie. Als ihr die Vorschläge dafür zu viel wurden, sagte sie laut "Standard": "Dann schreib’ halt: Lassen Sie mich in Ruhe!" Genau dieser Satz wurde schließlich zum Titel ihres Buches.