Schauspieler: "Rassismus nimmt in letzten Jahren zu"

Mohseni bei einem Schulbesuch als Integrationsbotschafter.
Mohseni bei einem Schulbesuch als Integrationsbotschafter.zVg
Im "Heute"-Talk spricht Schauspieler Anoushiravan Mohseni über Integration in Österreich und sein nächstes, großes Projekt.

In seinen Filmen mimt der gebürtige Iraner Anoushiravan Mohseni häufig den Bösewicht. Im Geiseldrama Taktik, das demnächst in die heimischen Kinos kommt, spielt er einen hochaggressiven Geiselnehmer. Privat setzt sich der 44-Jährige als Integrationsbotschafter an Wiens Schulen ein. Im "Heute"-Talk erzählt er über anstehende Filmprojekte und Rassismus im Alltag.

"Heute": Herr Mohseni, was steht als nächstes am Plan für Sie? Im Iran sind sie schon recht bekannt, aber wie sieht es in Österreich aus?

Mohseni: "Taktik" (Anm.: ein Geiseldrama in einem Grazer Gefängnis mit Harald Krassnitzer) kommt nach einer langen Verzögerung wegen der Pandemie bald in die Kinos. Danach steht ein großes Projekt für mich an, aber darüber darf ich leider noch nicht sprechen.

"Heute": Wenn man Online nach Ihnen sucht, findet man auf der Website des Österreichischen Filminstituts ein unlängst mit 880.000 Euro finanziertes Film-Projekt namens "Hades – Arschgeigen kriegen Ohrfeigen". Da sind Sie als Drehbuchautor angeführt. Hat es vielleicht etwas damit zu tun?

Mohseni: (lacht) Das stimmt, ich habe beim Drehbuch mitgeschrieben. Es ist eine Gangster-Komödie, mehr kann ich dazu leider noch nicht sagen.

"Heute": Warum denken Sie, spielen Sie so oft den Bösewicht?

Mohseni: Wahrscheinlich spiele ich ihn einfach gut. Aber es macht natürlich auch Spaß. Natürlich hat es auch etwas mit meinem Aussehen zu tun. Ich erinnere mich, ich habe einmal zwei Regisseure gefragt, warum ich nie eine Rolle als Polizist angeboten bekomme. Die beiden haben nur gelacht. Ich bekomme viele Angebote, Kriminelle, Vergewaltiger oder Mörder zu spielen. Solche Rollen lehne ich grundsätzlich ab, weil ich nicht dazu beitragen möchte, das Bild des 'kriminellen Ausländers' zu verbreiten. Taktik war da eine Ausnahme, weil der Film auf einer wahren Begebenheit basiert.

"Ich möchte das Bild des 'kriminellen Ausländers' mit meinen Rollen nicht bestärken"

"Heute": Gibt es in der Filmbranche viel Rassismus?

Mohseni: Da kann ich keine Pauschalaussage machen. Ich persönlich finde den Umgang hier besser, als in anderen Bereichen. (Anm.: Mohseni ist neben dem Job als Schauspieler auch als Hochbauingenieur tätig.)

"Heute": Haben Sie Rassismus schon häufig am eigenen Leib erfahren?

Mohseni: Ja, ständig. In den letzten Jahren hat es gefühlt an Häufigkeit zugenommen, aber eigentlich war es schon immer so. Ich bin mit 8 Jahren mit meiner Familie nach Österreich gekommen. Damals wurde ich oft wegen meiner Hautfarbe gemobbt. Ich erinnere mich an einen Vorfall, wo andere Kinder nicht in der Straßenbahn neben mir sitzen wollten und mich beschimpft haben. Ich habe geweint und meine Mutter angefleht, mit mir in den Iran zurückzugehen. Sie sagte mir, dass das nicht ginge und dass ich die Chance habe, in Österreich etwas aus meinem Leben zu machen. Das selbe sage ich jetzt den Kindern bei meiner ehrenamtlichen Arbeit als Integrationsbotschafter.

"Heute": Was macht ein Integrationsbotschafter?

Mohseni: Wir gehen an Schulen und sprechen dort mit den Kindern. Wir bringen ihnen bei, dass es wichtig ist, alle gleich zu behandeln, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder Religion. Jeder Mensch hat das Recht, ungestört zu Leben wie und wo er will, solange er die Rechte eines Anderen nicht verletzt, das betone ich immer. Trotzdem ist es wichtig, dass junge Menschen mit Migrationshintergrund sich integrieren und die Chance nutzen, etwas aus ihrem Leben zu machen.

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