Das tägliche Zähneputzen könnte bald der Vergangenheit angehören. Ein Start-up aus Dresden, gegründet von Forschern des Fraunhofer-Instituts, entwickelt ein revolutionäres Mundstück. Die Zahnschiene soll die Zähne vollautomatisch reinigen - ganz ohne Bürste.
Das Prinzip funktioniert wie ein winziger Hochdruckreiniger: Ultraschallwellen versetzen eine Flüssigkeit in Schwingung. Dabei entstehen kleine, mit Dampf gefüllte Bläschen. Wenn diese unter Druck zusammenfallen, entsteht ein feiner Flüssigkeitsstrahl, der den Zahnbelag löst.
Wie Chip.de meldet, soll das System bis zu 99 Prozent der Zahnoberflächen erreichen. Sensoren erkennen, wo sich Plaque befindet oder Karies entwickelt. Die Anwendung ist denkbar einfach: Mundstück einsetzen, einschalten und die Technik arbeiten lassen. Anfang 2027 soll das Gerät auf den Markt kommen.
Sebastian Paris, Leiter der Abteilung für Zahnerhaltung an der Berliner Charité, sieht die Innovation jedoch kritisch. Es fehlen klinische Studien, die das neue System mit herkömmlichem Putzen vergleichen. Besonders bei den Zahnzwischenräumen hat der Experte Zweifel: Der Abstand zum Belag betrage etwa einen Zentimeter - vermutlich zu groß für die Technik.
Die 99 Prozent Reinigungsleistung hält Paris für einen Laborwert, der im Alltag wohl nicht erreicht wird. Bislang gebe es nur eine zuverlässige Methode für Zahnzwischenräume: Interdentalbürsten.
Trotz seiner Skepsis sieht der Mediziner einen entscheidenden Vorteil: die einfache Anwendung. Viele Menschen sind zu bequem oder nicht mehr in der Lage, gründlich zu putzen. Für ältere Menschen, Intensivpatienten oder Menschen mit Behinderungen könnte das System eine echte Hilfe sein.
Paris betont jedoch: Für gesunde Zähne sind vor allem zwei Dinge entscheidend - Zahnpasta mit Fluorid und wenig Zucker in der Ernährung. Das schützt den Zahnschmelz am besten.