Für zwei Ärzte begann der Prozess gegen einen 45-jährigen Oberösterreicher mit einer überraschenden Begegnung. Ausgerechnet jener Mann, der sie Monate zuvor im Spital mit dem Tod bedroht haben soll, kam vor der Verhandlung auf sie zu, er entschuldigte sich.
"Entschuldigung, ich kann mich wirklich an nichts erinnern. Tut mir leid, dass ihr wegen mir da sein müsst's", sagte der 45-Jährige zu den beiden Medizinern – das berichtet die Kleine Zeitung. Sie waren am Dienstag ans Landesgericht Leoben gekommen, um als Zeugen auszusagen.
Kurz darauf musste der Mann selbst vor die Richterin. Ohne Verteidiger und sichtlich nervös sollte er sich für einen Vorfall verantworten, der sich Mitte Jänner in einem Krankenhaus im Bezirk Liezen ereignet hatte.
Dort soll der Oberösterreicher stark alkoholisiert seine Freundin und zwei Ärzte massiv bedroht haben. Die Vorwürfe sind heftig: "Ich schieße euch in den Kopf", "Ich ramme dir den Kugelschreiber ins Auge" und "Dich stech ich auch noch ab" soll der 45-Jährige laut Kleine Zeitung gesagt haben.
An diese Worte könne er sich heute nicht mehr erinnern. Dennoch erklärte er vor Gericht, dass er sich schuldig fühle.
Am Tag des Vorfalls habe er zu viele alkoholische Getränke konsumiert. "Ich weiß nur mehr, dass ich auf einmal im Krankenhaus war. Und irgendwie bin ich dann nach Graz in die Psychiatrie gekommen", sagte er.
Die Richterin konfrontierte den 45-Jährigen mit seinen früheren Problemen. "Mir fällt auf, dass bei Ihnen immer wieder Vorfälle passieren, wenn Sie Alkohol trinken", entgegnete sie.
Dabei spielte sie auf eine mittlerweile getilgte Vorstrafe wegen gefährlicher Drohung und Widerstands gegen die Staatsgewalt an.
"Normalerweise trinke ich keinen Alkohol. Der verträgt sich nicht mit meinen Medikamenten", gab der Angeklagte laut Kleine Zeitung zu Protokoll. Diese nehme er wegen einer posttraumatischen Belastung, da er vor einigen Jahren niedergestochen worden sei.
Seit dem Vorfall im Jänner trinke er keinen Alkohol mehr. Er wolle auch weiterhin abstinent bleiben, beteuerte der Oberösterreicher.
Vor Gericht erzählte der Angeklagte außerdem, dass er bereits seit acht Jahren in Psychotherapie sei und alle drei Monate eine Psychiaterin aufsuche.
Diesen Umstand sowie seine Entschuldigung bei den Zeugen und seine Geständigkeit wertete die Richterin mildernd. Der 45-Jährige kommt daher mit einer Diversion davon. Er muss eine Geldstrafe in Höhe von 2.300 Euro bezahlen.
Für den Mann ist das viel Geld. Er befindet sich bereits in Frühpension und arbeitet nur geringfügig als Hausmeister.
"Weniger geht nicht? Wie soll ich das bezahlen? Das tut richtig weh", reagierte der 45-Jährige auf die Höhe der Geldstrafe.
Die Richterin blieb jedoch dabei. "Sie sollen die Geldstrafe auch spüren, damit sie etwas daraus lernen", wies sie ihn zurecht.
Damit war das Verfahren beendet. Die geladenen Zeugen mussten nicht mehr aussagen.