Schläge, gefährliche Drohungen und sexuelle Übergriffe: An Kärntens Schulen mussten im vergangenen Schuljahr deutlich mehr Kinder und Jugendliche suspendiert werden. Besonders auffällig ist der starke Anstieg bei Volksschülern.
Insgesamt wurden im Schuljahr 2025/26 119 Schüler suspendiert. In den beiden Jahren davor waren es jeweils 90, 2022/23 wurden 83 Fälle verzeichnet, so die "Kleine Zeitung".
Unglaublich: 39 der 119 Suspendierungen betrafen Volksschüler. In den vergangenen Jahren waren es jeweils rund 20.
Insgesamt 14 Schüler wurden im vergangenen Schuljahr mehrfach suspendiert. Neun traf es zweimal, drei viermal und einen Schüler sogar siebenmal.
Die Vorwürfe gegen den 13-Jährigen sind massiv. "Er hat zweimal 'Heil Hitler' geschrien und Mitschüler mit Stiften beworfen", heißt es in einem Antrag auf Suspendierung.
In einem weiteren wird festgehalten: "Er hat einen Mitschüler als N**** bezeichnet und sexuell abwertende Bemerkungen gegenüber Lehrern und Schülern gemacht."
Bei einem Ausflug in eine Eishalle schlug er laut den vorliegenden Informationen der "Kleinen Zeitung" eine Mitschülerin mit einem Eishockeyhandschuh blutig. Zudem soll er Tische und Stühle geworfen und eine Lehrerin als "Schlampe" oder "Hure" bezeichnet haben.
Da der 13-Jährige noch schulpflichtig ist, muss seine Betreuung weiterhin sichergestellt werden. Die Folge waren zahlreiche Schulwechsel.
"Hinter den Suspendierungen stehen vor allem drei Deliktruppen: körperliche Übergriffe auf Mitschüler und Lehrer, gefährliche Drohungen und sexuelle Übergriffe", erklärt der für Bildung zuständige Landesrat Peter Reichmann (SPÖ) in der Beantwortung einer Anfrage des Team Kärnten.
Die Bildungsdirektion verweist darauf, dass steigende Suspendierungszahlen ein österreichweiter Trend seien. In Kärnten hätten Schulleitungen Suspendierungen insbesondere dann beantragt, wenn die körperliche Sicherheit gefährdet gewesen sei.
Reichmann sieht auch Folgen der vergangenen Jahre: "Die Entwicklung ist vor allem auf die seit der Pandemie verstärkten psychischen Belastungen und sozialen Krisen zurückzuführen."
Ab dem kommenden Schuljahr ändert sich bundesweit der Umgang mit suspendierten Schülern. Bisher lag deren Betreuung grundsätzlich bei den Erziehungsberechtigten.
Künftig greift ab dem vierten Tag einer Suspendierung eine eigene Begleitung außerhalb des jeweiligen Schulstandortes. Betroffene Schüler sollen während der Suspendierung mindestens acht Stunden pro Woche von Lehrkräften sowie Schulsozialarbeitern, Sozialpädagogen und Schulpsychologen betreut werden.
Für Kärnten stellt der Bund dafür 1,7 zusätzliche Stellen zur Verfügung. Dazu kommen drei Stellen der Schülersozialarbeit an Bundesschulen sowie 3,5 Stellen in der Schulpsychologie.
Auch bei mehrtägigen Schulveranstaltungen werden laut den Angaben zunehmend Schüler ausgeschlossen, wenn die Sicherheit oder der geordnete Ablauf etwa bei Skikursen, Sportwochen oder Reisen gefährdet erscheint. Wie viele Fälle es gibt, ist allerdings nicht bekannt, da sie der Bildungsdirektion nicht gemeldet werden müssen.