Schlechte Luft macht kriminell und asozial

Bei Smog ist Peking kaum zu sehen. Luftverschmutzung ist nicht nur unschön mitanzusehen, sondern beeinflusst auch Körper und Psyche: Viele Menschen werden in einer solchen Umgebung ängstlicher, was sie unmoralischer handeln lässt.
Bei Smog ist Peking kaum zu sehen. Luftverschmutzung ist nicht nur unschön mitanzusehen, sondern beeinflusst auch Körper und Psyche: Viele Menschen werden in einer solchen Umgebung ängstlicher, was sie unmoralischer handeln lässt.Bild: Reuters
Die Luftqualität hat nicht nur Auswirkungen auf die Gesundheit, sondern auch auf die Psyche – und damit auf das Benehmen.
Mehr als 90 Prozent aller Menschen leiden laut der Weltgesundheitsorganisation WHO unter schlechter Luft. Rund sieben Millionen sterben jährlich weltweit an den Folgen (siehe Box). Doch nicht nur der Körper ächzt, wenn er von Schadstoffen wie Stickoxiden, Ozon und Feinstaub umgeben ist, sondern auch die Psyche. So ist schon länger bekannt, dass Menschen dadurch ängstlicher und auch depressiver werden.

Neu ist aber, dass diese Angst dazu führt, dass die Betroffenen ihr Verhalten ändern und unmoralischer sowie krimineller vorgehen. Das berichten US-Forscher im Fachjournal "Psychological Science".

Viel schlechte Luft, viel schlechtes Benehmen

Das Team um Jackson G. Lu von der Columbia-Universität hatte für die Studie unter anderem die Daten zur Luftverschmutzung und zur Kriminalität aus 9.360 US-Städten über einen Zeitraum von neun Jahren ausgewertet.

Dabei zeigte sich, dass die Luft in Städten mit hoher Kriminalität stärker von Schadstoffen belastet war als in friedlichen Orten.

So schlecht ist schlechte Luft

Mit jedem Atemzug gelangen Schadstoffe als feine Partikel in Atemwege. Dabei gilt: Je kleiner die Partikel sind, desto tiefer dringen sie in die Lunge ein. Bei übermäßigen Belastungen treten vermehrt Beschwerden und Erkrankungen der Atemwege auf wie Atemnot, chronischer Husten, chronische Bronchitis und Atemwegsinfektionen.

Die verschmutzte Atemluft führt zu einer verkürzten Lebenserwartung aufgrund von Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen einschließlich Lungenkrebs.
Angst macht asozial

In weiteren Experimenten konnten die Wissenschaftler einen kausalen Zusammenhang zwischen schlechter Luft und unmoralischem Verhalten nachweisen. Weil sie die Teilnehmer nicht unter realistischen Bedingungen den Schadstoffen aussetzen konnten, wendeten sie einen mentalen Kniff an. Die Probanden mussten sich vorstellen, entweder an einem Ort mit schlechter oder an einem mit guter Luft zu leben.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Das Ergebnis: Wann immer sich die Probanden einbildeten, von Schadstoffen umgeben zu sein, schummelten sie. Weiter zeigte sich, dass die Betroffenen auch viel ängstlicher waren als ihre Pendants, die sich gedanklich in reiner Luft bewegt hatten.

Lu und seine Kollegen weisen trotz der Eindeutigkeit der Resultate darauf hin, dass Angst zwar eine wichtige Rolle spiele, aber nicht die einzige psychologische Erklärung sei. Auch der Aspekt, dass ein nicht so schönes Umfeld asozial macht, könnte von Bedeutung sein. (fee)

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