Schock in Mattersburg: FMA sperrt Commerzialbank

Mehr als 400 Millionen Euro an Spareinlagen und täglich fällige Gelder sollen in der Mattersburger Commerzialbank liegen.
Mehr als 400 Millionen Euro an Spareinlagen und täglich fällige Gelder sollen in der Mattersburger Commerzialbank liegen.picturedesk.com/APA/Robert Jäger
Die Finanzmarktaufsicht hat die Commerzialbank Mattersburg mit sofortiger Wirkung geschlossen. Kunden können nicht auf ihre Sparguthaben zugreifen.

Kurz vor Mitternacht hallte ein Paukenschlag durch das Burgenland: Via Aussendung gab die Finanzmarktaufsicht (FMA) bekannt, dass der Commerzialbank Mattersburg mit sofortiger Wirkung die Fortführung des Geschäftsbetriebes untersagt und ein Regierungskommissär als neuer Leiter eingesetzt wurde. Er soll nun über das weitere Schicksal der Bank – und auch der Kundengelder – bestimmen.

Kunden müssen auf Geld warten

Die Kunden des Kreditinstituts standen jedenfalls schon am nächsten Tag vor verschlossenen Türen, sie können seither nicht auf ihre Sparguthaben zugreifen. Bei Fremdbanken konnte man ebenfalls schon ab Mittwoch mit der Bankomatkarte der Commerzialbank nicht mehr Geld beheben, am Bankomat der hauseigenen Filiale in Zemendorf war dies laut eine Bericht des ORF anfangs noch möglich.

Wann das Geld ausbezahlt werden wird, entscheidet nun der Regierungskommissär. Die Kundengelder werden aus dem Vermögensstand des Unternehmens zurückgeführt. Sollte dieses nicht reichen, tritt die staatliche Einlagensicherung in Kraft. Sie ist allerdings auf 100.000 Euro pro Person beschränkt. 

Jahrelang Bilanzen frisiert

Der Grund für die überraschende Schließung: Bei genauen Überprüfungen am Dienstag hatte sich herausgestellt, dass die Bilanzen der Commerzialbank offenbar schon seit Jahren frisiert und von einem Wirtschaftsprüfer vermutlich falsch abgenommen worden waren. "Wir haben den Geschäftsleiter der Bank damit konfrontiert und er hat bestätigt, dass einige Positionen nicht werthaltig seien – er hat dann festgestellt, dass er keine weiteren Aussagen dazu machen will, weil er das vorher mit seinem Anwalt besprechen muss“, wird FMA-Sprecher Klaus Grubelnik weiter zitiert.

Martin Pucher tritt auch als Präsident des SV Mattersburg zurück
Martin Pucher tritt auch als Präsident des SV Mattersburg zurückgepa

Vorstandsdirektor, Sportvereinspräsident

Vorstandsdirektor Martin Pucher (64) ist derweil zurückgetreten. Wie er durch seine Rechtsanwälte mitteilen lässt, sei er "an einer umfassenden und lückenlosen Aufklärung gegenüber den untersuchenden Behörden interessiert". Er wird auch alle übrigen Organfunktionen zurücklegen. Dazu gehört auch die Präsidentschaft des Bundesliga-Vereins SV Mattersburg, für den Puchers Bank zuletzt Hauptsponsor gewesen ist. 

Doskozil: "Bank ist zu liquidieren"

Landeshauptmann Hans Peter Doskozil findet angesichts der Commerzialbank-Katastrophe klare Worte: "An einen Fortbestand der Bank ist in keiner Weise zu denken", so der SPÖ-Landeschef. "Das bedeutet, in Wirklichkeit wie bei einem Privatunternehmen, die Bank ist zu liquidieren – Punkt."

Als er durch die Finanzmarktaufsicht über den Fall informiert worden sei, sei es erst einmal ein Schock gewesen schildert er weiter. "Das was mich auch wirklich persönlich berührt, ich kann mir nicht vorstellen, was in einem Menschen wie dem Martin Pucher vorgeht, den bis jetzt sehr viele als Persönlichkeit geschätzt haben", erklärte Doskozil: "So etwas zu machen, sich für so etwas herzugeben, dass sind wirklich strafrechtliche Delikte. Das ist eine Bankenpleite, die weit weit hineingeht in das Strafrecht."

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