In Tschechien laufen die Vorbereitungen auf den Bau eines ersten kleinen Kernreaktors auf Hochtouren. Das Umweltministerium in Prag habe mit der rechtlich vorgeschriebenen Prüfung der Umweltverträglichkeit begonnen, wie eine Sprecherin mitteilte.
Die auf Englisch "small modular reactor" (SMR) genannte Anlage soll auf dem Gelände des bestehenden Atomkraftwerks Temelin errichtet werden und über eine elektrische Nennleistung von bis zu 500 Megawatt verfügen.
Im Rahmen des UVP-Prozesses dürfen sich die Anrainergemeinden und die Öffentlichkeit zu dem Projekt äußern. "Wir werden auch alle Nachbarstaaten ansprechen", versprach der tschechische Umweltminister Petr Hladik.
Österreichs Grenzgemeinden zeigen sich kämpferisch: "Im Notfall werden wir demonstrieren und die Grenze blockieren. Wir haben das vor 20 Jahren schon einmal gemacht, und da hat es auch geholfen", sagte schon vor zwei Jahren die Bürgermeisterin des oberösterreichischen Grenzorts Leopoldschlag, Anita Gstöttmayr.
Der tschechische Umweltminister stellte einen "äußerst effektiven" Ablauf des Verfahrens in Aussicht. "Die Atomkraft ist ein wichtiges Element bei der Senkung der Emissionen von Treibhausgasen und bei der Ablösung der Kohle als Energieträger", sagte der Christdemokrat.
Die weltweit aktive Nuklearbranche verspricht, dass die neuen kleinen, modularen Reaktoren einfacher, sicherer und effizienter sein könnten als konventionelle Großkraftwerke. Atomkraftgegner bezweifeln das.
Gegner des neuen Projekts befürchten sogar neue Risiken durch eine Vervielfachung der Anlagenzahl, was Kontrollen erschwere. Der AKW-Standort Temelin liegt weniger als 60 Kilometer von der Grenze zu Österreich entfernt.