"Baum fällt!" hieß es Montagfrüh am Augustinplatz in Wien-Neubau. Trotz heftiger Proteste der Bezirks-ÖVP – Bezirksparteiobfrau Christina Schlosser hatte sich mit weiteren Parteikollegen im Oktober sogar an den Baum gekettet – mussten die rund 100 Jahre alte Linde sowie weitere Bäume Platz für den Bau eines Notausgangs für die verlängerte U2 machen.
Bis zuletzt hatte sich die ÖVP für die Rettung des Baums eingesetzt. Schlosser schlug – wie auch im Fall der umgesiedelten Platane in der Josefstadt – eine Verbringung der Linde an einen anderen Ort vor. "Die Schubertlinde muss umgesetzt werden, so wie es in der Josefstadt bei einer 80 Jahre alten Platane auch möglich war", so die ÖVP. Auch der grüne Bezirkschef Markus Reiter hatte sich erfolglos für einen Erhalt der Schubertlinde ausgesprochen.
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"Der fast hundert Jahre alte Baum, der 1928 anlässlich des 100.Todestages von Franz Schubert gepflanzt wurde ist für das Grätzl Schattenspender, CO2 Filter, Sauerstoffspender und ein natürlicher Lärmschutz“, so Christina Schlosser und abschließend: "Wir sind über das unrühmliche Ende dieses Neubauer Wahrzeichens wahrlich entsetzt. Offensichtlich gilt in unserem Bezirk die Devise: Rettet die Umwelt vor den Grünen!" Die Rettungsaktion des Bezirksvorstehers sei ein "veritabler Flop", ätzt auch der türkise Landtagspräsident Manfred Juraczka. "Entweder mangelte es dem Bezirksvorsteher am Willen oder am politischen Gewicht“, so Juraczka.
Der originale Schubert-Gedenkstein soll aufgrund der Initiative von Schlosser und der Chorleiterin des Chor Neubau, Eva Salfellner, im Neubauer Amtshaus aufbewahrt werden. Nach der Fertigstellung des U-Bahn-Notausgangs werde am Augustinplatz wieder eine Linde gepflanzt und in ihrem Schatten der Gedenkstein angebracht werden, so Schlosser.