Lehrerin berichtet aus Praxis

Schüler fotografieren heimlich mit Handy in Garderobe

Smartphones sind vielen Lehrern ein Dorn im Auge. Der Schrei nach einem generellen Handyverbot in Schulen wird auch in Österreich immer lauter.

Lea Strauch
Schüler fotografieren heimlich mit Handy in Garderobe
Viele europäische Länder machen es vor: Das Handy hat in der Schule große Pause. Auch in Österreich wird immer häufiger über ein generelles Verbot im Unterricht diskutiert. (Symbolbild)
Getty Images

Ein paar Swipes auf TikTok und nur kurz auf WhatsApp antworten. Für die Jugendlichen Teil des Alltags und keine große Sache – für den Lernprozess eine kleine Katastrophe. Wenn das Handy an der Hand wie festgewachsen scheint, kann das den Unterricht erheblich stören.

Eine Lehrerin aus dem Großraum Linz, die anonym bleiben will, schildert gegenüber "Heute" die teils schockierenden Zustände an einer Neuen Mittelschule.

Schüler fotografieren heimlich

"Mühsam sind die Handys vor allem dann, wenn Kinder in Fächern wie Kochen oder Turnen das Smartphone dabei haben, zum Beispiel in der Garderobe. Dann machen sie Bilder von Schulkollegen oder Lehrern, die unvorteilhaft sind", erzählt die Lehrerin.

Es ist durchaus schon passiert, dass zu diesen Fotos dann obszöne Dinge dazugezeichnet werden.
Lehrerin einer Mittelschule im Großraum Linz

Diese Bilder würden dann sogar bearbeitet ins Internet gestellt werden, berichtet sie. "Es ist durchaus schon passiert, dass zu diesen Fotos dann obszöne Dinge dazugezeichnet werden. Das ist natürlich wahnsinnig unangenehm für alle Betroffenen."

Klare Regeln für den Unterricht

Trotzdem sei die Lehrerin nicht für ein generelles Handyverbot: "Es ist einfach eine digitale Generation, was soll ein Verbot da bewirken?" Außerdem verstehe sie den Aspekt, dass die Eltern ihre Kinder gerne erreichen möchten.

Es ist einfach eine digitale Generation, was soll ein Verbot da bewirken?
Lehrerin einer Neuen Mittelschule

Das Smartphone dürfen die Schüler nur dann benutzen, wenn es dem Unterricht dient. "Sie geben am Anfang der Stunde ihr Handy in eine Box und dürfen es sich nur dann nehmen, wenn wir es brauchen. Ich setze da klare Regeln."

Europäische Länder machen's vor

Seit 2010 herrscht in Frankreichs Schulen ein striktes Handyverbot – vor sechs Jahren wurde das sogar auf die Pausen ausgeweitet. Italien, Großbritannien und kürzlich auch die Niederlande folgten mit ähnlichen – allerdings weniger strengen – Regelungen.

Auch in Österreich wird der Schrei nach der großen Pause fürs Smartphone immer lauter. Erst kürzlich erklärte der steirische Bildungslandesrat Werner Amon (ÖVP), dass er ein mögliches Handyverbot an Pflichtschulen rechtlich prüfen wolle.

"Die Pädagogen sind die Experten."

Obwohl die Schreie nach einem Handyverbot lauter werden, liegt die Wahl in Oberösterreich aktuell noch ganz bei den Lehrern. "Die Pädagogen sind die Experten. Sie entscheiden selbst, ob das Handy eingesetzt wird, oder in der Schultasche bleibt", erklärt Birgit Kopf von der Bildungsdirektion Oberösterreich im "Heute"-Gespräch.

Das Smartphone sei in der Schule nämlich nicht immer nur Störfaktor. "Es gibt auch sehr sinnvolle Einsatzmöglichkeiten im Unterricht. Wenn es den Lernprozess unterstützt, wird das Handy auch gerne verwendet", berichtet Kopf. Taschenrechner, Diktiergerät oder Übersetzungs-Apps seien zum Beispiel Funktionen, die den Unterricht durchaus bereichern können.

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    HEUTE/Helmut Graf

    Auf den Punkt gebracht

    • Immer mehr Schulen in Europa erwägen ein generelles Handyverbot, da Smartphones den Unterricht stören und zu unangenehmen Situationen führen können, wie das heimliche Fotografieren von Mitschülern und Lehrern
    • Trotzdem gibt es auch sinnvolle Einsatzmöglichkeiten für Smartphones im Unterricht, weshalb einige Schulen klare Regeln für die Nutzung aufstellen
    • In Österreich wird der Ruf nach einem Handyverbot an Schulen immer lauter, während in Oberösterreich die Entscheidung darüber den Lehrern überlassen bleibt
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