Alarmierende Zahlen

Schulden dramatisch gestiegen – Experte beunruhigt

Viele Menschen können sich das Leben nicht mehr leisten. Im schlimmsten Fall verschulden sie sich. Ein Experte erklärt, wie dramatisch die Lage ist.

Johannes Rausch
Schulden dramatisch gestiegen – Experte beunruhigt
"Die Hemmschwelle, zu uns zu kommen, ist gesunken", sagt Thomas Berghuber, Geschäftsführer der Schuldnerberatung OÖ. (Symbolbild)
Schuldnerberatung OÖ, iStock

Der am Montag präsentierte sogenannte Schuldenreport liefert besorgniserregende Tatsachen. Die Daten stammen von der Dachorganisation ASB Schuldnerberatungen. Jährlich gibt der Bericht einen Überblick über die Situation der Kunden von entsprechenden Beratungsstellen.

Die aktuellen Zahlen aus dem Jahr 2023 alarmieren: Jeder achte Klient gibt hohe Lebenshaltungs- und Wohnungskosten als Überschuldungsgrund an. Besonders schlimm: Dieser Wert ist zweieinhalb Mal so hoch wie im Jahr davor.

Weitere beunruhigende Fakten: 2023 gab es um 17 Prozent mehr Erstberatungsgespräche als 2022. Laut Report ist das der Höchstwert seit zwölf Jahren. Die Kunden stehen durchschnittlich mit rund 55.000 Euro in der Kreide.

"Viele Menschen reisen wieder oder gehen im Restaurant essen", sagt Thomas Berghuber, Geschäftsführer der Schuldnerberatung Oberösterreich, im "Heute"-Gespräch. "Aber wir reden von einer Schicht, die sich das Leben nicht mehr leisten kann."

Lebenskosten weiter sehr hoch

Zwar sei die Inflation wieder gesunken, Miete und Spritpreise aber weiterhin hoch. Nach wie vor sei ein Trend zu beobachten: Da Betroffene beim Lebensunterhalt (Heizen, Strom, Lebensmittel) nicht sparen können, werden Freizeitaktivitäten wie Kino, Theater oder Kaffeehaus gestrichen.

Aber wir reden von einer Schicht, die sich das Leben nicht mehr leisten kann.
Thomas Berghuber
Geschäftsführer der Schuldnerberatung OÖ

Eine andere Entwicklung ist Berghuber schon länger aufgefallen: "Die Hemmschwelle, zu uns zu kommen, ist gesunken", erklärt der Jurist, der seit 1989 bei der Schuldnerberatung tätig ist.

Jährlich finden insgesamt über 10.000 Beratungsgespräche im Bundesland statt. "Über 6.000 Fälle davon werden bearbeitet", so Berghuber. Den "typischen" Schuldner gebe es nicht: "Zu uns kommen alle Bevölkerungsschichten, vom 19- bis zum 70-Jährigen."

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    Sabine Hertel

    Auf den Punkt gebracht

    • Die Zahl der überschuldeten Menschen steigt dramatisch an, wie der kürzlich veröffentlichte Schuldenreport zeigt
    • Im Jahr 2023 gaben 17 Prozent mehr Menschen als im Vorjahr an, erstmals eine Schuldnerberatung in Anspruch zu nehmen
    • Die durchschnittliche Verschuldung der Klienten beträgt rund 55.000 Euro, und die hohen Lebenshaltungs- und Wohnungskosten sind ein Hauptgrund für die Überschuldung
    • Besonders besorgniserregend ist, dass die Hemmschwelle, sich beraten zu lassen, gesunken ist, wie Thomas Berghuber, Geschäftsführer der Schuldnerberatung OÖ, betont
    JR
    Akt.