Nach einem durchwachsenen Grand Prix von Italien platzte der Traum von Lewis Hamilton vom Ferrari-Heimsieg in Italien. Der Brite musste sich mit dem ernüchternden sechsten Platz zufrieden geben. Nach dem heftigen Crash von Charles Leclerc in der Parabolica war dies durchaus eine herbe Watsch'n für die Italiener.
Hamilton hatte sich vor dem Rennen durchaus Hoffnungen gemacht, noch einmal in den WM-Kampf eingreifen zu können. Mittlerweile ist sein Rückstand auf Star Andrea Kimi Antonelli allerdings auf 76 Punkte angewachsen – das sind mehr als drei Rennsiege.
Das Problem bei Hamilton war die Boxenstrategie. Der Rennstall verzichtete darauf, Hamilton während der Virtuellen Safety-Car-Phase zum Reifenwechsel hereinzuholen. Eine Entscheidung, die sich als klar falsch herausstellte. "Ich dachte, sie würden mich an die Box holen, dann haben sie mich nicht an die Box geholt", haderte der Siebenfach-Champion. Das Problem sei die Trackposition gewesen – also der Punkt auf der Strecke, an dem Hamilton beim Ausrufen der Virtuellen Safety-Car-Phase war, und die Sorge, dass der Brite danach wieder viele Autos überholen hätte müssen.
"Es hat eine gewisse Berechtigung, dass er meint, er habe acht Titel. Es ist ja sehr ungünstig gelaufen für ihn. Wenn er Weltmeister wird auf Ferrari, dann hätte er die Geschichte neu schreiben können. Ohne sein Ego wäre er nicht da, wo er jetzt ist", leitete "Sky"-Experte Ralf Schumacher eine Würdigung des Briten im Podcast "Backstage Boxengasse" ein.
Um danach allerdings auch kritische Töne zum 41-Jährigen anzuschlagen. "Er hat sich sportlich verbessert, das Team an seine Seite geholt. Jetzt hat er die Chance, mit dem Team das zu erreichen, was Michael (Schumacher, Anm.) erreicht hat. Ob er es dann schafft, wenn er permanent sagt: ,Das war falsch' und ,Ich hätte eine andere Entscheidung getroffen', da frage ich mich: Warum? Wenn er im Lead ist?", warf der Bruder von Siebenfach-Weltmeister Michael Schumacher auf.
Der Deutsche ortete also eine Entscheidungsschwäche beim Ferrari-Star. "Ich könnte mich nicht daran erinnern, dass mein Bruder eine Entscheidung nicht getroffen hätte. Die hat er immer gemeinsam mit dem Ingenieur oder Ross Brawn getroffen. Ich bin da verwundert, denn es kostet ja kein Geld, wenn er die Entscheidung trifft, welchen Reifen er fährt", warf der Formel-1-Experte Hamilton und letztlich auch Ferrari vor. "Das liegt dann ja an ihm und an seiner Qualität, das Team um sich herum zu managen. Da muss er dran arbeiten", so Schumacher weiter. Einerseits würde es die Simulationen geben, andererseits aber auch die Meinung des Fahrers.
Und dass Hamilton in der Virtuellen Safety-Car-Phase nicht an die Box gekommen war, liege "nicht nur am Team, sondern an ihm. Wenn ich ein VSC sehe, bin ich am Funk und sage: ,Ich will reinkommen. Finito.'"