Schüsse, Leichen: "So etwas vergisst man nicht so le...

Bild: ORF

Bei dem blutigen Silvester-Anschlag auf einen noblen Club in Istanbul mit 39 Toten waren auch zwei Wiener anwesend. Sie hatten Glück: Mergim Shabani und Tanju Köse überlebten das Blutbad, ebenso ihre drei Freunde. Ihre schrecklichen Eindrücke schilderten sie nun.

Bei dem blutigen Silvester-Anschlag auf einen noblen Club in Istanbul mit 39 Toten waren auch zwei Wiener anwesend. Sie hatten Glück: Mergim Shabani und Tanju Köse überlebten das Blutbad, ebenso ihre drei Freunde. Ihre schrecklichen Eindrücke schilderten sie nun.

Eigentlich wollten die beiden 26-jährigen Wiener im Club Reina mit drei weiteren Freunden unbeschwert Silvester feiern. Doch der Partyabend wurde zum Alptraum, als ein Attentäter mit einem Sturmgewehr in den noblen Club direkt am Bosporus eindringt und Dutzende Menschen erschoss.

. Dann ging alles sehr schnell. "Ich habe mich umgesehen und beobachtet, wie sich alle auf den Boden werfen und Deckung suchen", erzählte Mergim Shabani. Er folgte dem Beispiel, während der Attentäter ungehindert mordete. "Zudem bekam ich mit, wie jemand, vermutlich der Schütze, zwei Mal Allahu Akbar rief. Gesehen habe ich ihn nicht", schilderte er

"So etwas vergisst man nicht so leicht"

Sein Freund Tanju Köse hatte sich ebenfalls zu Boden geworfen. Die beiden Wiener saßen mit ihren Freunden in einem Separee direkt gegenüber dem Haupteingang. Als Köse sieht, wie einige Menschen um ihn herum in Richtung eines Ausganges laufen, schloss er sich ihnen instinktiv an. "Auf dem Weg nach draußen habe ich mehrere erschossene Menschen gesehen", sagte er. "So etwas vergisst man nicht so leicht."

Während seiner Flucht sah Köse auch kurz den Attentäter: "Er trug kein Weihnachtsmannkostüm, sondern eine Haube, eine dunkle Hose und eine feste dunkle Jacke. Er muss mehrere Schichten getragen haben, er war so dick angezogen, dass ich dachte, er könnte eine Bombe am Körper tragen."

"Hatte Angst, erschossen zu werden, wenn ich aufstehe"

Shabani, der keine Gelegenheit zur Flucht hatte, versteckte sich mit anderen unter einer Sitzbank. Nach fünf Minuten hörte der Schütze auf zu schießen, erst nach weiteren zehn Minuten waren die ersten Polizisten im Club. "Ich hatte Angst, erschossen zu werden, wenn ich aufstehe", schilderte Shabani die schrecklichen Minuten.

Als die Polizei die Besucher schließlich nach draußen in Sicherheit brachten, habe er nur geradeaus nach vorne geblickt, berichtete Shabani: "Ich wusste, wenn ich jetzt auf den Boden blicke, sehe ich Dinge, die ich nie wieder vergessen werde."

Kontrollen, Fingerabdrücke

In einem benachbarten Café, in das die Polizei die Überlebenden brachte, wurden die beiden Wiener wiedervereint. Auch ihre drei Freunde, die mit ihnen gefeiert hatten, fanden sie wieder, nur einer ovn ihnen wurde leicht verletzt. Doch da der Schütze nicht gefasst wurde, befragte die Polizei alle Clubgäste. 

"Die Polizisten wollten alles mögliche von uns wissen. Woher wir kommen, wie viel wir verdienen, warum wir uns so eine teure Lounge leisten können, ob wir die Personen kennen, die neben uns saßen etc.", schilderte Köse. Anschließend mussten alle ihre Fingerabdrücke abgeben.

Die beiden Wiener haben den ersten Schock inzwischen verarbeitet. Das österreichische Konsulat hat ihnen psychologische Betreuung angeboten. Traumatisiert fühlen sie sich nicht, "Uns und unseren Freunden ist ja letztlich nichts passiert", sagten sie. Sie wollen Istanbul in nächster Zeit nicht mehr besuchen, aber nicht für immer wegbleiben.

 

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