Schutz durch diese Impfung könnte jahrelang anhalten

Corona-Impfung (Symbolbild).
Corona-Impfung (Symbolbild).Moritz Frankenberg / dpa / picturedesk.com
Die mRNA-Impfstoffe von Pfizer/Biontech und Moderna lösen im Körper eine anhaltende Immunreaktion aus, die möglicherweise über Jahre hinweg schützt.

Wie lange ist man nach der Covid-19-Impfung geschützt? Dieser Frage sind Forschende um Ali Ellebedy, Immunologe an der Washington University in St. Louis, am Beispiel der beiden in der Schweiz zugelassenen mRNA-Impfstoffe nachgegangen. Die Antwort dürfte vor allen jenen Personen gefallen, denen regelmäßige Auffrischungs-Impfungen ein Dorn im Auge sind.

Wie das Team im Fachjournal "Nature" berichtet, lösen die Vakzine von Pfizer/Biontech und Moderna nicht nur eine sehr starke, sondern auch eine langanhaltende Immunreaktion aus, die möglicherweise über Jahre hinweg gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 schützt. Vorausgesetzt, das Virus entwickelt sich nicht wesentlich über seine aktuelle Form hinaus. Etwas, das nicht garantiert ist, wie die Forschenden betonen.

Bootcamps für Immunzellen

In der Studie beschäftigten sich Ellebedy und seine Kollegen vor allem mit den Lymphknoten in den Achselhöhlen ihrer Probanden. Besonders interessierten sie dabei die sogenannten Keimzentren, die sich als Folge einer natürlichen Infektion oder einer Impfung dort bilden und die Immunzellen ausstoßen, die in den untersuchten Fällen gegen Sars-CoV-2 gerichtet sind. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bezeichnen diese als "Bootcamps für Immunzellen": um einen "Ort, an dem unerfahrene Zellen darauf trainiert werden, den Feind besser zu erkennen, und an dem die Waffen geschärft werden."

Die Forschenden konzentrierten sich auf die Keimzentren, um mehr darüber zu erfahren, wie sich die durch die Impfstoffe angeregte Immunantwort im Körper entwickelt. Dabei liefert das wichtige Hinweise auf die Stärke und Beständigkeit der Immunantwort, ohne dass eine jahrelange Nachbeobachtung erforderlich wäre. "Keimzentren sind der Schlüssel zu einer anhaltenden, schützenden Immunantwort", erklärt Ellebedy. "Sie sind der Ort, an dem unser Immungedächtnis gebildet wird. Und je länger wir ein Keimzentrum haben, desto stärker und dauerhafter ist unsere Immunität, weil dort ein heftiger Selektionsprozess stattfindet und nur die besten Immunzellen überleben."

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Im Fall der mRNA-Impfstoffe scheinen die Keimzentren erfreulich lange bestehen zu bleiben: "Wir fanden heraus, dass die Keimzentren auch 15 Wochen nach der ersten Dosis des Impfstoffs noch aktiv waren", so Ellebedy. Doch damit nicht genug: "Wir überwachen die Keimzentren immer noch, und sie nehmen nicht ab. Bei einigen Menschen sind sie immer noch aktiv. Das ist wirklich bemerkenswert."

"Wirklich robuste Immunantwort"

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entnahmen zunächst mithilfe von Ultraschall Proben der winzigen Keimzentren aus den Lymphknoten von 14 Personen, die alle Pfizer/Biontechs Comirnaty erhalten hatten. Dies, einmal drei Wochen nach der ersten Dosis sowie in den Wochen vier, fünf und sieben. Zehn Teilnehmende gaben 15 Wochen nach der ersten Dosis noch einmal Proben ab. Keiner der Teilnehmenden war je mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert gewesen.

Die Analyse der Proben zeigte, dass sich in den Keimzentren aller 14 Teilnehmenden drei Wochen nach der ersten Dosis mit Antikörper produzierenden B-Zellen gebildet hatten, die auf ein Schlüsselprotein von Sars-CoV-2 abzielen. Die Reaktion verstärkte sich nach der Auffrischungsimpfung noch und blieb dann hoch. Selbst 15 Wochen nach der ersten Dosis hatten acht von zehn Personen noch nachweisbare Keimzentren mit B-Zellen, die gegen das Virus gerichtet waren.

"Das ist ein Beweis für eine wirklich robuste Immunantwort", zitiert die Hochschule Ellebedys Kollegin Rachel Presti. "Das Immunsystem verwendet Keimzentren, um die Antikörper zu perfektionieren, damit sie sich gut binden und so lange wie möglich halten können. Die Antikörper im Blut sind das Endergebnis des Prozesses, aber das Keimzentrum ist der Ort, an dem er stattfindet."

Hohe Antikörper-Spiegel

In einem weiteren Schritt untersuchten die Forschenden die Blutproben von 41 weiteren mit Comirnaty Geimpften, darunter acht Personen, die zuvor Covid-19 gehabt hatten. Die Proben waren vor der Verabreichung jeder Dosis des Impfstoffs sowie in den Wochen vier, fünf, sieben und 15 nach der ersten Dosis entnommen und ausgewertet worden.

Ergebnis: Bei Personen ohne vorherigen Kontakt mit dem Virus stiegen die Antikörperspiegel nach der ersten Dosis langsam an und erreichten eine Woche nach der zweiten Dosis ihren Höhepunkt. Menschen, die zuvor infiziert worden waren, hatten bereits vor der ersten Dosis Antikörper im Blut. Ihre Werte stiegen nach der ersten Dosis schnell an und erreichten einen höheren Spitzenwert als bei den nicht infizierten Teilnehmern.

Das zeigt laut den Forschenden, dass die Impfung mit mRNA-Impfstoffen eindeutig einen zusätzlichen Nutzen bringt – auch im Zusammenhang mit einer früheren Infektion, weshalb sie empfehlen, dass Menschen, die bereits Covid-19 hatten, den Impfstoff erhalten. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich die Ergebnisse auch auf den Impfstoff von Moderna übertragen lassen – es scheine eine für mRNA-Impfstoffe typische Wirkung zu sein.

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