Kinder rekrutiert

Schutzgeld-Bande: "Werd’ Opa dumm und deppert fetzen!"

Strafunmündige Buben unter 14 Jahren wurden angeblich für Diebstähle und zum Aufpassen auf Waffen angeheuert. In Chats wurde mit Straftaten geprahlt.

Wien Heute
Schutzgeld-Bande: "Werd’ Opa dumm und deppert fetzen!"
Die Jugendlichen mit Kalaschnikows, rechts beim mutmaßlichen Überfall auf den Handyshop in Meidling.
zVg

Zehn mutmaßliche Mitglieder einer Schutzgeldbande müssen sich in Wien bald vor Gericht verantworten, wir berichteten. Die Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 21 Jahren bildeten laut Anklage eine kriminelle Vereinigung. Vertreten werden die Verdächtigen von renommierten Top-Anwälten, etwa Florian Kreiner.  Den Burschen wird Erpressung, schwerer Raub, eine Molotow-Attacke auf einen Handyshop – und sogar der Bau einer Bombe vorgeworfen. Treffpunkt der Verdächtigen war laut Staatsanwaltschaft eine Meidlinger Moschee. Ermittler werteten die Handys der Angeklagten aus – eine wahre Fundgrube. 

"Opa dumm und deppat fetzen"

Besprochen wurde immer wieder der geplante Überfall auf den Handyshop-Betreiber, vom dem sie Schutzgeld erpressen wollten. "Ich werde vorderste Front sein, werd’ den Opa dumm und deppat fetzen", schrieb einer der Hauptangeklagten. Der indische Geschäfsbesitzer sollte zuerst überfallen werden, andere Bandenmitglieder sollten ihm später "Schutz" vor weiteren Attacken anbieten – und abkassieren.

Ab da wüssten sie, dass sie mit wirklichen motherf*ckers zu tun haben
Verdächtiger in Chat
mit mutmaßlichem Komplizen

Macheten-Attacke

Eigens sei eine Telegram-Gruppe gegründet worden, um "Sachen vom Inder-Shop" zu posten. In den Chats wurde auch überlegt, auf das Geschäft bzw. den Inhaber zu schießen, um ernst genommen zu werden. "Ab da wüssten sie, dass sie mit wirklichen motherf*ckers zu tun haben", hieß es in einem Chat von zwei Angeklagten. Man solle mit einer Machete den kompletten Laden "kaputt machen". Sollte er nicht zahlen, müsse man auf ihn schießen. Geplant war auch von anderen Läden Schutzgeld zu erpressen, doch dank der Ermittler kam es dazu nicht mehr. 

Kinder mit Ohrfeigen eingespannt

Gefinkelt sollen die Drahtzieher der Bande ihr Netzwerk aufgezogen haben. So wurden immer wieder strafunmündige Kinder unter 14 Jahren für Ladendiebstähle oder für die Verwahrung von Waffen eingespannt, sagte ein Zeuge aus. Er habe Angst vor zwei Hauptangeklagten gehabt. Die Verdächtigen seien zuerst freundlich gewesen, hätten ihm dann aber Ohrfeigen versetzt und klargestellt, dass "man sich besser nicht mit ihnen anlege". So hätten sie ihn zum Beispiel auch dazu gebracht, Ladendiebstähle zu begehen.

Strafunmündige anzuwerben hätte offenbar System gehabt. Einige unter 14-Jährige könnten dazu gezwungen worden sein, meint der Zeuge. Ein Knirps gab den Behörden gegenüber an, ein Angeklagter habe ihn zur Erpressung von Schutzgeld rekrutieren wollen. Er habe gemeint, sie seien doch schon "groß" und könnten Schutzgeld erpressen. Für alle Verdächtigen gilt die Unschuldsvermutung!

"Nichts dem Vater sagen!"

Ein Bosnier erzählte seiner Mutter übrigens laut Anklage von einer Böller-Attacke auf den Handyshop in Meidling. Die überraschende Reaktion: Die Frau bat ihren 17-jährigen Sohn angeblich nur, "seinem Vater nichts zu sagen"…

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    Auf den Punkt gebracht

    • Eine Schutzgeld-Bande in Wien, bestehend aus mutmaßlichen Mitgliedern im Alter zwischen 14 und 21 Jahren, muss sich vor Gericht verantworten
    • Die Bande soll für Erpressung, schweren Raub und sogar den Bau einer Bombe verantwortlich sein
    • Zudem wurden strafunmündige Kinder unter 14 Jahren, angeblich für Diebstähle und zum Aufpassen auf Waffen, rekrutiert
    red
    Akt.