Die vergangene Woche endete mit einem Knaller: Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) legte ihren lang erwarteten Bericht zu den Lebensmittelpreisen während der Inflation vor. Bei unzähligen Produkten gab es hier bekanntermaßen auffällige Preissprünge, fragwürdige Rabatte und enorme Steigerungen besonders bei den Eigenmarken – zeitgleich bei mehreren Händlern.
"Insgesamt gibt es keine Hinweise dafür, dass vor dem Hintergrund steigender und hoher Inflation versucht worden wäre im Untersuchungszeitraum die Handelsspannen zu vergrößern", lautet das Fazit der BWB. Die Supermarktketten haben sich also nicht an den Preisen ungerechtfertigt bereichert. Gleichzeitig wird aber auch von "schwarzen Praktiken" des Lebensmittelhandels zu Lasten seiner Lieferanten gesprochen, berichtet das "Ö1-Morgenjournal".
Katharina Koßdorff vom Fachverband Lebensmittelindustrie sieht ihre Beobachtungen der letzten Jahre bestätigt. Zum einen, dass der Handel eine starke Verhandlungsmacht hat. "Und zum anderen, dass Lieferanten im hohen Ausmaß mit unlauteren Handelspraktiken konfrontiert sind", sagt sie auf Ö1.
Dazu zählen einseitige Vertragsänderungen, Zahlungen ohne Lieferungen oder für unverschuldeten Qualitätsverlust, obwohl all das eigentlich gesetzlich verboten ist. Rabattaktionen müssen zum Teil sogar gänzlich von Lieferanten bezahlt werden. Das ist ein nicht unwesentliche Brocken, 40 Prozent beträgt der Rabattanteil am österreichischen Markt.
Günter Thumser vom Markenartikelverband ergänzt, "dass der Handel in den letzten zwei, drei Jahren vehement Wünsche nach Kostenübernahme im Sinne von Preisanpassungen den Herstellern gegenüber einfach abgelehnt hat". Seit den Preissprüngen bei Energie, Transport und Co. war dann im wahrsten Sinne des Wortes "kein ökonomisches Fleisch mehr".