Der schwarze Rätsel-Koloss von Alassio ist zwar inzwischen entfernt worden, doch das Mysterium ist noch nicht gelöst. Wie berichtet, entdeckten Badegäste am 22. August an der italienischen Küste einen rund zwei Meter hohen und fünf Meter langen Zylinder. Die Behörden sperrten den Bereich ab, später wurde das Objekt entlüftet und abtransportiert.
Inzwischen gilt als wahrscheinlich: Bei dem Fund handelt es sich um einen riesigen Fender – also einen luftgefüllten Puffer, wie er in der Schifffahrt eingesetzt wird. Solche Fender schützen Schiffe, Häfen oder andere Strukturen beim Anlegen und bei Manövern auf See.
Rai News sprach bereits am 24. August von einem möglichen "parabordo", also einem Schiffs- oder Kai-Fender.
Doch die entscheidende Frage bleibt offen: Woher kam das schwarze Monster aus dem Meer? Eine naheliegende Theorie führt zum Hafen von Vado Ligure, der nicht weit von Alassio entfernt liegt. Auch ein Kreuzfahrtschiff wurde als mögliche Herkunft ins Spiel gebracht. Offiziell bestätigt ist bislang keine dieser Spuren.
Besonders brisant ist aber eine dritte Möglichkeit: Der Fender könnte bei einem Öl-Umschlag auf offener See zum Einsatz gekommen sein – möglicherweise im Umfeld der russischen Schattenflotte.
Dabei laden Tanker auf offenem Meer russische Ware auf ein anderes Schiff um, um Sanktionen und Kontrollen zu erschweren. Genau für solche Transfers werden solche großen Fender weltweit verwendet.
Dass diese Spur nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt die aktuelle Lage im Mittelmeer. EU-Kräfte kontrollierten erst am Sonntag den Tanker "MV Sun", der zur russischen Schattenflotte gehören soll. Laut EU-Außenbeauftragter Kaja Kallas war es bereits das sechste verdächtige Schiff, das in den vergangenen Monaten überprüft wurde.
Auch eine neue Analyse des KSE Institute zeigt, wie wichtig solche Umladungen für russische Ölexporte geworden sind: Zwischen Anfang 2025 und Mitte 2026 wurden 799 Tanker in Ship-to-Ship-Operationen mit russischem Öl identifiziert. 438 davon erfüllen laut KSE die Kriterien der Schattenflotte.
Bewiesen ist die Russland-Spur beim Koloss von Alassio damit nicht. Der Fund zeigt aber, wie ein harmlos wirkender Strand-Schreck plötzlich in ein viel größeres Bild passt: Zwischen Urlaubsidylle, Welthandel und Sanktionen treiben im Mittelmeer nicht nur Schiffe – sondern auch offene Fragen.