Von 3.777 österreichischen Schweinen waren 3.777 Schweine zu Lebzeiten krank. Das ist das Ergebnis von 183 amtstierärztlichen Schlachtkörper-Untersuchungen aus insgesamt vier steirischen Schlachthöfen. Die Testergebnisse wurden dem "Verein gegen Tierfabriken" (VGT) zugespielt (siehe Bildstrecke oben) und kürzlich veröffentlicht. Die Öffentlichkeit bzw. Konsumenten bekommen derartige Untersuchungen normalerweise nicht zu Gesicht.
„"Die Haltung von Mastschweinen in Österreich ist die mieseste in der EU"“
, kritisiert der "Verein gegen Tierfabriken" nicht zum ersten Mal.
Nun könne man endlich beweisen, dass die Vollspaltenboden-Haltung ohne Einstreu, wie sie in Österreich üblich ist, die Schweine krank mache.
Worum geht es? Amtstierärzte untersuchten 2019 knapp über 3.700 Schlachtkörper von Schweinen in vier Schlachthöfen in der Steiermark. Das Ergebnis: 4.665 festgestellte Krankheiten. Das ergibt im Schnitt 1,3 Krankheiten pro Tier. Anders ausgedrückt, jedes dieser 3.777 Schweine litt unter zumindest einer Krankheit, bevor es geschlachtet, zu Fleisch verarbeitet, verkauft und von irgendjemandem verspeist wurde.
„"Dennoch wurden nur 3 Schlachtkörper für untauglich für den menschlichen Verzehr befunden und nur bei 40 Schlachtkörpern Teile herausgeschnitten"“
, ist VGT-Obmann Martin Balluch empört.
+++ So sieht "artgerecht" für Schweine in Österreich aus +++
Über 98% aller Schweine in Österreich leben wie die getesteten Tiere auf engem Raum und auf hartem, dreckigem Vollspaltenboden ohne Strohboden. Von Tageslicht oder Auslauf im Grünen ganz zu schweigen. Alles völlig legal.
45 % der Schweine litten an einer Lungenentzündung. Schuld seien die Ammoniakgase, so der VGT. Dies sei typisch bei der "Vollspaltenbodenhaltung" ohne Einstreu, wie sie in Österreich üblich ist. Die beißenden Ammoniakgase entstehen vom Kot und Urin der Schweine. Dieser befindet sich direkt unter den Tieren und dem nackten Vollspaltenboden, auf dem sie stehen, leben, essen und schlafen. Die beißenden Dämpfe machen die Tiere auf die Dauer krank.
29 %, also jedes dritte Schwein, hatte sogenannte Milk Spots. Bedeutet, dass das Tier in den letzten 6 Lebenswochen vom Spulwurm befallen war. "Der 30 cm lange Spulwurm ist der wichtigste Parasit in der strohlosen Mastschweinehaltung", informiert der VGT.
11 % der Schweine hatten nach dem Kehlschnitt noch Blut in die Lunge eingeatmet. Das geschieht wenn sie "schlecht" getötet wurden, erklärt der VGT. 7 % der Schweine litten an einer Leberentzündung. Ebenfalls 7 % an einer Brustfellentzündung, 6 % an Verklebungen der Gedärme, dazu Hautparasiten, Abszesse, Bauchfellentzündungen usw. In der Bildstrecke oben findest du ausgewählte Untersuchungsscheine.
VGT-Obmann Martin Balluch kritisiert weiter: "Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger sagt in aller Öffentlichkeit, die Nutztierhaltung in Österreich sei vorbildlich. Die Wahrheit ist das Gegenteil", ärgert sich der Tierschützer.
"Die Fotos eines der betroffenen Betriebe zeigen die trostlose Situation der Schweine auf Vollspaltenboden ohne Stroheinstreu mit einer armseligen Kette, die von der Decke hängt, als „Beschäftigungsmaterial" – leider die Norm in Österreich", so Balluch.
Der Verein gegen Tierfabriken veröffentlichte neben den Testergebnissen der Schweine ein Foto (siehe Bildstrecke oben) aus einem der betroffenen Betriebe, von denen ein Teil der getesteten Schweinchen stammte. Laut dem VGT sollen in dem Betrieb rund 2.000 Mastschweine auf Vollspaltenboden ohne Stroh leben.
Tierschutzorganisationen wie der VGT kritisieren schon seit Jahren, dass die Realität von Millionen österreichischen Schweinen nicht mit dem Österreichischen Tierschutzgesetz übereinstimmt. Die in Österreich erlaubte Vollspaltenbodenhaltung mache die "Tiere durchgängig krank". Eine Haltung, die die Tiere "durchgehend krank macht", widerspreche "eindeutig" dem Tierschutzgesetz", wirft Balluch ein.
„Wir legen hiermit den unumstößlichen Beweis vor, dass die Haltung auf Vollspaltenboden ohne Stroheinstreu in Österreich Tierquälerei ist und nach dem Tierschutzgesetz eigentlich verboten sein müsste", so der Tierschützer weiter.
Es brauche ein Verbot der Vollspaltenbodenhaltung in Österreich sowie eine verpflichtende Stroheinstreu für die Tiere. Derzeit leben über 98 % aller Schweine in Österreich beengt auf dreckigem Vollspaltenboden ohne jemals das Tageslicht gesehen zu haben. Und zwar legal. Der Verein gegen Tierfabriken fordert vom derzeitigen Tierschutzministerium von Minister Rudolf Anschober, die Vollspaltenbodenhaltung in Österreich zu verbieten und die Stroheinstreu verpflichtend vorzuschreiben.
So sieht "artgerecht" für Schweine in Österreich aus
Schweine in Österreich: Fotogalerie des Grauens
10 Fakten zur heimischen Schweinehaltung
Reise in den Tod – Kälber aus Österreich im Libanon
So viele Kälber exportiert Österreich jedes Jahr ins Ausland
"Lieber Rudi...bitte stopp die Tiertransporte!"
"Wer zur billigsten Milch greift, stärkt Kälbermafia"
Ausbeutung von Tier und Natur Grund für Pandemie
Illegale Käfighaltung in Tulln aufgeflogen
Kann Corona über Fleisch übertragen werden?
Warum du ständig Käfig-Eier isst, ohne es zu wissen
Türkei ist Top 1 Exportland für Rinder aus Österreich