Schweizer Roadster mit irisch-amerikanischer DNA

Er war orange, schnell und man sah ihm nicht an, dass er aus der Schweiz kam. Der Rinspeed SC-R verkörperte den klassischen Roadster perfekt.
Der Schweizer Autodesigner Frank M. Rinderknecht ist ein Mann der großen Auftritte. Seine zukunftsweisenden Autos stoßen seit Jahren an der CES In Las Vegas und am Genfer Automobilsalon auf großes Interesse – und manchmal auch auf Unverständnis.

Doch während Rinderknecht mit seiner Firma Rinspeed heute Mobilitätskonzepte präsentiert, waren es am Anfang seiner Karriere Tuningfahrzeuge à la Rinspeed Porsche 969 oder VW Golf Aliporta (mit Flügeltüren). 1995 stellte Frank Rinderknecht dann seinen eigenen Roadster vor, den Rinspeed R.

Vor großem Publikum

Gezeigt wurde der Roadster zunächst am Genfer Automobilsalon, den noch prestigeträchtigeren Auftritt aber hatte der offene Sportwagen wohl anlässlich des Grand Prix von Monaco, als Rinderknecht im knallorangen Roadster um die Rennstrecke fahren durfte.

CommentCreated with Sketch.0 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Dabei kam er sportlich voran, schließlich schüttelte im Bug des Wagens ein Ford-V8-Motor mit 4.942 cm3 Hubraum dank Roots-Kompressor 305 Pferdestärken aus der Kurbelwelle. Und diese hatten mit den 1.050 Kilogramm des Wagens ein wortwörtlich leichtes Spiel.

Zumal der Roadster mit 3,81 Metern Länge und 1,945 Metern Breite ausreichend kompakt war und dem Wind trotz ungünstigem cW-Wert mit nur 1,18 Metern Höhe keine riesige Querschnittsfläche entgegenstemmte.

Für ganze Kerle

Jedenfalls soll der SC-R für Tempo 258 km/h und eine Zeit von 4,4 Sekunden für den Standard-Sprint von 0 bis 100 km/h gut gewesen sein. Nachgemessen hat das damals wohl niemand, die fast 260 km/h hätten sich sicherlich abenteuerlich angefühlt.

"Ein Roadster für ganze Kerle: Beschleunigung und Frischluft wie auf einem Motorrad, folglich auch kein Airbag oder ABS lieferbar", schrieb damals Hans-Peter Leicht für "Auto Motor und Sport". Unter der knappen Aluminiumhaut hielt ein Gitterrohrrahmen aus Edelstahl den Wagen zusammen. Motor, Getriebe und die meisten Aufhängungsteile stammten aus dem Ford-Ersatzteillager. Rund 100.000 Franken (heute umgerechnet 88.000 Euro) kostete ein solcher Roadster vor einem Vierteljahrhundert, eine Menge Geld.

Street -Cruising

Am besten sei der Wagen wohl für das amerikanische "Street-Cruising" geeignet, meinte Hans-Peter Leicht nach seiner Probefahrt. Er empfahl dafür den vierten Gang, weil der fünfte eindeutig zu lang übersetzt sei. Allerdings ließ sich der SC-R natürlich auch flotter bewegen, auch wenn sich dann typisch amerikanische Eigenheiten offenbarten, zum Beispiel leichte Orientierungsprobleme bei der Fahrwerksabstimmung oder eine unpräzise Lenkung.

Bei schlechter Witterung allerdings ließ man den Roadster am besten zu Hause, denn ein Dach gab es zumindest 1995 noch nicht dazu, obwohl Rinspeed an einer Lösung arbeitete.

Nicht in der Schweiz erfunden

Wer nun denkt, dass hier Schweizer Engineering in ein Serienprodukt umgesetzt wurde, täuscht sich. Die Ursprünge des Roadsters liegen in Irland. Den Wagen im Stil eines Lotus Super Seven nannte man TMC Costin und er war vor allem im Rennsport erfolgreich.

Kommerziell erwies er sich aber nicht als Überflieger. So kaufte ein Amerikaner die Konkurs-Überreste auf und verwandelte sie in einen Roadster amerikanischer Prägung, genannt Panoz Roadster.

Frank Rinderknecht, der selber viel mehr Trendspürer, Marketing-Genie und Verkäufer als Konstrukteur ist, entdeckte das interessante Gefährt in den Staaten und ließ es auf hiesige Bedürfnisse anpassen.

Weitere Information zum Rinspeed SC-R und seinen Vorgängern gibt es samt vielen Fotos auf www.zwischengas.com.

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