Schwierige Games machen wütend, aber glücklich

Extrem harte Gamelevels belohnen Spieler mit Glückshormonen. Sogar gegen Depressionen sollen mörderisch schwere Titel wie Dark Souls helfen.
Und wieder sinkt man blutüberströmt in den Staub. Nicht nur Kenner der berüchtigten Dark-Souls-Serie wissen um die Verzweiflung, wenn das Spiel schlicht stärker ist als das Selbst. So manch einer hat dabei schon in seinen Controller gebissen oder das Ding wutentbrannt gegen die Wand geschmissen, denn gewisse Levels rauben einem den letzen Nerv.

Dabei würde sich das Durchhalten lohnen. Neue Studien haben gezeigt, dass sehr schwierige Games echte Stimmungsaufheller sind. Je härter das Level, desto grösser ist das Glücksgefühl, wenn man es doch einmal geschafft hat.

Wie Gitarre lernen

Extrem schwierige Spiele sind auch populärer denn je. Titel wie Devil Daggers, Clustertruck, Super Hexagon sowie die Dark-Souls-Serie oder das Spin-off Bloodborne werden von vielen Fans nicht trotz, sondern gerade wegen ihres hohen Verzweiflungsfaktors besonders verehrt.

"Die Leute mögen schwierige Spiele, weil ihnen dort nichts vorgemacht wird", sagte John Marshall, der mit Devil Daggers ein absolutes Frust-Game kreiert hat, gegenüber dem "New Scientist". Diese Entwicklung sei eine Art Gegentrend zu beliebten Spielen wie Candy Crush, bei denen man sich die Fortschritte nicht wirklich erarbeiten muss.

Taffe Missionen zu meistern sei dagegen ein wenig wie Gitarre zu spielen, sagt Petter Henriksson vom schwedischen Landfall-Studio. Der Entwickler des extrem schwierigen Lastwagen-Hüpfspiels Clustertruck betont, dass das stetige Lernen in kleinen Schritten sehr befriedigend sein könne: "Es ist eine Fingerübung, genau wie beim Lernen von Gitarrenriffs. Man übt und übt und übt – und plötzlich ist man besser."

Nachschub ist da

Monster-Games wie Dark Souls haben deshalb das Potential, selbst leichte Formen von Depressionen zu lindern, schreibt der "New Scientist". Nicht nur, weil man sich seinen Weg durch die Dunkelheit denken muss, wie Spieler berichten. Auch der wiederholte Kampf mit scheinbar unbesiegbaren End-Bossen hilft: "Wenn etwas nicht funktioniert hat, versuchst du es wieder und wieder – bis es klappt. Es ist verdammt aufmunternd, mit Willen und Intellekt eine Aufgabe zu meistern", sagte Paul, ein depressiver Gamer, dem Magazin. In Dark Souls kann man zudem in Situationen tiefster Verzweiflung andere Spieler um Mithilfe bitten. Dieser soziale Aspekt hat Depressive schon ermutigt, sich helfen zu lassen.

Wer also gerade in einem Loch steckt, muss nicht verzagen: Mit The Ringed City erschien aktuell das nächste (und letzte) Kapitel der ultraharten Fantasy-Saga Dark Souls. Wie alle Ausgaben des Rollenspiels wird auch dieser letzte DLC alles andere als ein Kinderspiel: Am Ende der Welt warten jede Menge unüberwindbare Feinde – doch damit auch die Gelegenheit, sich glücklich zu gamen. (rtl)

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