Bei einem Selbstmordanschlag auf einen Bus in der südrussischen Stadt Wolgograd sind am Montag sechs Menschen ums Leben gekommen. 32 weitere wurden verletzt. Die Ermittler vermuten, dass eine sogenannte Schwarze Witwe, die Frau eines radikalislamischen Extremisten aus der unruhigen russischen Teilrepublik Dagestan im Kaukasus, den Anschlag verübte.
Sieben schwer verletzt
Der Sprengsatz explodierte gegen 12.00 Uhr MESZ. In dem Bus saßen etwa 40 Passagiere. Von den 32 Verletzten haben sieben schwere Verletzungen davongetragen.
Schwarze Witwe
Bei der Attentäterin soll es sich um die Ehefrau des Rebellenführers Dmitri Sokolow handeln. Die 30-jährige Najda Assialowa ist erst kürzlich zum Islam konvertiert. Sie hat in Moskau studiert, wo sie Sokolow kennengelernt hat, und ist später zusammen mit ihm in die Hauptstadt Dagestans, Machatschkala, gezogen.
Die Ermittler leiteten eine Untersuchung wegen eines "Terroranschlags" ein. Nach Sokolow wird ohnehin wegen der Mitgliedschaft in einer bewaffneten Gruppierung in Machatschkala gefahndet. In die Ermittlungen ist auch der russische Inlandsgeheimdienst FSB eingebunden, der im Sommer weitreichende Überwachungsbefugnisse mit dem erhalten wird.
Knapp vor Olympia
Die Sicherheitslage in Russland wird vier Monate vor den am Schwarzen Meer weltweit mit besonderem Interesse beobachtet. Der Austragungsort der vom 7. bis 23. Februar stattfindenden Spiele liegt nahe der Nordkaukasus-Region. Von dort breiteten sich nach dem Tschetschenien-Krieg der Jahre 1994 bis 1996 radikalislamische Kämpfer aus.
Seit dem Jahr 1999 wird Russland immer wieder von Attentaten erschüttert, zu denen sich islamistische Gruppierungen bekennen. Bei zwei zeitgleichen Selbstmordanschlägen auf die Moskauer U-Bahn wurden im März 2010 insgesamt 40 Menschen getötet, bei einem weiteren Anschlag eines Selbstmordattentäters auf den Moskauer Flughafen Domodedowo im Jänner 2011 gab es 36 Todesopfer.
Topterrorist will die Spiele verhindern
Anfang Juli hatte der tschetschenische Terroristenchef Doku Umarow wieder zu Anschlägen auf Zivilisten in Russland aufgerufen. Sein Ziel: "Mit allen Mitteln, die Allah erlaubt", die Olympischen Winterspiele in Sotschi verhindern. Der Tatort Wolgograd, früher bekannt als Stalingrad, liegt mehr als 600 Kilometer Luftlinie von Sotschi entfernt.