Sex-Zustimmung per App – kann das funktionieren?

In Dänemark gibt es eine App, in der Personen ihre Zustimmung zu sexuellen Kontakten geben können. Sex-Experten sind skeptisch.

Eine neue App, die in Dänemark veröffentlicht wurde, soll die Zustimmung von Sex-Partnern vor einem sexuellen Kontakt offiziell festhalten. Die Bedienung von iConsent ist ganz einfach: Zunächst gibt man die Telefonnummer jener Person ein, mit der man Sex haben möchte. Diese Person bekommt daraufhin eine Benachrichtigung und kann dem Geschlechtsverkehr zustimmen oder ihn ablehnen. Diese ist für eine einzige sexuelle Begegnung und für 24 Stunden lang gültig.

Der Hintergrund zur Entwicklung dieser App ist ein neues Gesetz, das im Dezember in Dänemark in Kraft getreten ist. Dieses hält fest, dass jegliche sexuelle Handlungen, denen nicht explizit zugestimmt wurde, als Vergewaltigung gelten soll. Zuvor war es nötig gewesen, Gewalt oder einen Angriff nachzuweisen, um eine Vergewaltigung vor Gericht durchzubringen.

Bringt eine Konsens-App etwas?

"Grundsätzlich ist die Idee einer solchen App gut", sagt die klinische Sexologin Dania Schiftan. "Denn Sex soll nur stattfinden, wenn ein Konsens besteht und die Notwendigkeit für eine solche App zeigt, dass ein riesiges Ungleichgewicht herrscht, weil viel zu viel Sex stattfindet, dem nicht explizit zugestimmt wird." Gleichzeitig sei die App aber leider nicht sonderlich Sex-positiv. "Es vermittelt den bitteren Beigeschmack, dass Sex immer eine Bedrohung oder nichts Gutes ist."

"Was in der Gesellschaft eigentlich passieren müsste, ist ein Umdenken und Umlernen, was die Sexualität betrifft. Jeder und jede sollte lernen, dass sich die eigenen Bedürfnisse kontinuierlich verändern können und ein einmaliges Ja oder Nein nicht bedeutet, dass es für immer ein Ja oder Nein bleiben wird."

Tinder als "sexuelles Fast Food"

Ähnlich sieht dies auch Psychologe und Paartherapeut Klaus Heer. "Eine App wie iConsent kann in bestimmten Umständen sicherlich klärend und hilfreich sein. Gerade, wenn man über Dating-Apps wie Tinder an sexuelles Fast Food herankommen möchte, handelt man riskant bis hochriskant. Apps wie iConsent können das Risiko wenigstens teilweise verringern."

Vorsicht sei aber dennoch geboten, gerade wenn der Konsens via App gegeben wurde, anschließend die Meinung aber geändert wird. Wer versuche, eine Person von der Änderung dieser Angabe in einer solchen App abzuhalten, handle im Sinne des Gesetzgebers klar kriminell.

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