Mythen und Fakten

Sexverbot bei WM: Bringt Enthaltsamkeit Erfolg?

Immer wieder sprechen Trainer bei Fußball-Großereignissen ein Sexverbot aus. Doch beeinflusst Enthaltsamkeit wirklich die Leistung auf dem Platz?
Sport Heute
16.06.2026, 10:48
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Vor wichtigen Fußballturnieren greifen manche Trainer zu drastischen Maßnahmen und verhängen ein striktes Sexverbot für ihre Spieler. So machte etwa Bosnien-Herzegowinas Nationaltrainer Safet Susic vor der WM 2014 klar, dass es im Teamquartier keinen Sex geben dürfe – höchstens Masturbation sei erlaubt. Auch andere Länder wie Mexiko, Russland und Chile setzten damals auf Enthaltsamkeit.

Das Ergebnis war jedoch ernüchternd: Alle vier Teams schieden bereits vor dem Viertelfinale aus. Das US-Magazin "Time" bilanzierte anschließend trocken, dass ein Sexverbot offenbar kein Erfolgsgeheimnis für große Turniere ist. Andere Trainer wie Spaniens Luis Enrique oder Frankreichs Didier Deschamps zeigten sich hingegen entspannter und erlaubten ihren Spielern ein Privatleben abseits des Spielfelds – solange es nicht übertrieben wurde.

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Spieler und Forschung sehen es gelassen

Viele Spieler selbst sehen die Thematik deutlich lockerer als ihre Trainer. Brasiliens Fußballlegende Ronaldo erzählte etwa, dass er durchaus vor Spielen Sex hatte und sich dabei sogar besser fühlte. Auch andere Stars wie Romário oder Carlos Valderrama sprachen offen darüber, dass Sexualität ihrer Leistungsfähigkeit nicht geschadet habe.

Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es bislang keine überzeugenden Beweise dafür, dass Sexverzicht vor einem Match die sportliche Leistung verbessert. Eine Metaanalyse im Fachjournal "Scientific Reports" aus dem Jahr 2022 kam zum Schluss, dass Sex zwischen 30 Minuten und 24 Stunden vor einem Test weder einen Vorteil noch einen Nachteil bringt. Entscheidend ist laut Experten vielmehr das Verhalten abseits des Spielfelds – etwa Schlaf, Stress oder Routinen.

Individuelle Vorbereitung zählt

Sportpsychologe Jan Rauch erklärt in "20 Minuten": "Aus heutiger Sicht gibt es wenig Evidenz dafür, dass Sex an sich die Leistung unmittelbar verschlechtert." Vielmehr seien Faktoren wie Schlafqualität, mentale Fokussierung und emotionale Regulation ausschlaggebend. Jeder Profi müsse seinen eigenen, optimalen Weg finden, um sich auf ein großes Turnier vorzubereiten.

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