Fussball

Sicherheitsdienst wollte Bayern-Coach aus Halle bringen

Die schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten. Bei der Bayern-Jahreshauptversammlung ist es am Donnerstagabend zu Tumulten gekommen. 
Markus Weber
26.11.2021, 15:42

Konkret ging es um das heiß diskutierte Katar-Sponsoring des deutschen Serienmeisters. Die Fluglinie Qatar Airways ist ein Bayern-Geldgeber. Schon seit Jahren absolvieren die Münchner stets ihr Winter-Trainingslager im Wüsten-Emirat. Die Menschenrechtsverletzungen im WM-Gastgeberland 2022 werden meist unkommentiert hingenommen. 

Deshalb hat Bayern-fan und Jurist Michael Ott versucht, per Gerichtsentscheid eine Einstweilige Verfügung zu erwirken, dass eine Abstimmung über das mit kolportierten 20 Millionen Euro dotierte Sponsoring im Rahmen der Hauptversammlung abgehalten werden soll. Dies wurde vom Landgericht München I aber nur Stunden vor der Versammlung abgelehnt. Und auch einen Spontanantrag ließen die Münchner nicht zu. 

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Die Jahreshauptversammlung endete schließlich im Chaos. Präsident Herbert Hainer schloss sie vorzeitig, obwohl noch Fans zu Reden gemeldet waren. Dafür gab es Pfiffe und "Hainer raus"-Rufe der rund 1.000 Delegierten. 

Sicherheitsleute wollen Nagelsmann aus Halle bringen

Auch Bayern-Coach Julian Nagelsmann erlebte die tumultartigen Szenen selbst mit, wie er vor dem Bundesliga-Duell gegen Arminia Bielefeld in einer Medienrunde erzählte. "Es war eine leicht aggressive Stimmung zum Ende. Der eine oder andere Sicherheitsmann hat mich schon lieber früher als später aus der Halle rausbegleiten wollen", schilderte Nagelsmann seine Eindrücke von der Hauptversammlung, die bis nach Mitternacht andauerte. 

Der Bayern-Coach habe es allerdings als wichtig erachtet, bis zum Ende zu bleiben. "Die sachliche Ebene war gestern nicht immer gegeben. Es darf nicht das Gefühl entstehen, dass Lager gegeneinander kämpfen. Wir sind alle Fans, Mitglieder oder Mitarbeiter von Bayern München", rief der 34-Jährige zum Zusammenhalt auf. 

Folgen neue Proteste?

Doch wie kann der deutsche Rekordmeister aus dieser derart verfahrenen Situation herauskommen? "Es ist eine Frage des Rahmens, in dem man diese Dinge bespricht. Es wird dann schnell emotional. Vielleicht muss man mit einem Mediator drüber sprechen", schloss Nagelsmann. 

Die Stimmung in der Münchner Südkurve wird jedenfalls wohl noch aufgeheizter sein. Bereits im Duell gegen Freiburg am 6. November enthüllte der harte Kern der Bayern-Fans ein Transparent gegen den Katar-Deal der Bayern. "Für Geld waschen wir alles rein", stand darauf. Zu sehen waren Bayern-Präsident Hainer und Vorstandsvorsitzender Oliver Kahn beim Waschen von blutigen Kleidungsstücken. Außerdem waren Geldkoffer abgebildet. 

Gut möglich, dass nach der turbulenten Versammlung neue Proteste folgen.