Obdachlose in Quarantäne: "Mit Möbel um sich geworfen"

Mehrere Obdachlose veranstalteten am Montagnachmittag einen Tumult im Krankenhaus Hietzing.
Mehrere Obdachlose veranstalteten am Montagnachmittag einen Tumult im Krankenhaus Hietzing.Leserreporter
Am Montagnachmittag kam es zu einer Ausnahmesituation in jener Unterkunft im ehemaligen Geratriezentrum Wienerwald in Hietzing für Obdachlose, welches aufgrund eines Corona-Infiziereten unter Quarantäne gestellt wurde. Die Bewohner warfen mit Möbel um sich.

Um 16 Uhr kam es für zwei Stunden zu einem Großeinsatz der Polizei im Pavillon Acht in einer Obdachlosenunterkunft im ehemaligen Geriatriezentrum Wienerwald in Hietzing. Rund 120 Menschen stehen dort seit Samstag unter Quarantäne, da ein Obdachloser mit Corona in ein Spital gebracht wurde. Bis 29. Mai steht das Haus weiterhin unter Quarantäne.

Bewohner warfen mit Möbel um sich

"Die Menschen warfen mit Möbel um sich und da bekommen die Betreuer natürlich Angst", sagte Andreas Huber Sprecher des medizinischen Krisenstabs der Stadt Wien über den "Tumult". Dutzende Polizisten kamen zum Einsatzort, viele davon in Covid-19-Schutzanzügen. Es soll während der Medikamentenausgabe zu der Auseinandersetzung gekommen seien. "Es gibt zu wenige Medikamente und zu wenig Essen", erzählte ein Bewohner des Hauses im Gespräch mit "Heute". "Es kamen so viele Polizisten, jetzt müssen wir alle im Zimmer verharren", so der anonym bleiben wollende Bewohner. 

Keine Verletzten, zahlreiche Polizisten vor Ort

Die Bewohner wollen mehr zu Essen und daher fingen die Bewohner an zu randalieren und blockierten unterschiedliche Wege, ergänzte der Bewohner des Hauses. Für das Essen und die Betreuung seien Johanniter und der Samariterbund zuständig, sagte Sprecher Andreas Huber. Bei dem rund zwei Stunden andauernden Tumulten gab es keine Verletzten, aber Einrichtungsgegenstände wurden zerstört.

"Eine Dame erlitt eine Nierenkolik", ergänzte er. Dies sei aber unabhängig von dem Tumult passiert. Laut Bewohner des Hauses kam es auch zu Fluchtversuchen, dies wurde jedoch von Sprecher Andreas Huber verneint. Wie die Konsequenzen dieses Einsatzes nun aussehen, könne man jetzt noch nicht sagen. "Jetzt wird es erstmal eine Nachbesprechung geben", so der Sprecher.

Bewohner aus Pavillon Acht: "Alle sind überfordert"

"Alle sind hier überfordert", sagte der Bewohner des Hauses. Die Angst sei deutlich zu spüren. Er erwähnte, dass bereits in der Nacht zuvor ein Bewohner versuchte sich aus dem Fenster im ersten Stock abzuseilen und sich schließlich am Asphalt verletzte.

Bezirksvorsteherin aus Hietzing in Sorge

Die Bezirksvorsteherin von Hietzing Silke Kobald (ÖVP) erklärt im Gespräch mit "Heute", dass das Coronavirus eine "Ausnahmesituation" mit sich bringt. "Wir sind generell sehr beunruhigt in Hietzing über die Situation und fordern auch mehr Schutz für die Bewohner des Bezirks", so die Bezirksvorsteherhin.

"Aus Bezirkssicht ist ganz wichtig, dass die Quarantäne gut überwacht wird", sagte Silke Kobald bereits bei der Einrichtung des Corona-Zentrums für Touristen vor rund zwei Monaten im Pavillon neun. Bei einem Verdachtsfall solle niemand raus oder rein können. Es gehe um die "Abgrenzung" zum Umfeld.

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