Sie neigen zu höherem Alkoholkonsum - wegen Corona

Viele sahen sich mit der Coronapandemie überfordert und wollten mit Alkohol entspannen.
Viele sahen sich mit der Coronapandemie überfordert und wollten mit Alkohol entspannen.
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Die Coronapandemie ließ viele Menschen öfter zum Alkohol greifen. Das wird Auswirkungen in der Suchtbetreuung haben, wie ein Experte erklärt.

Die Coronapandemie hat uns einiges abverlangt. Die Lockdowns und das Nicht-Treffen von unseren Liebsten haben Spuren in unserer Psyche hinterlassen. Es ist nur natürlich, Mittel und Wege zu suchen, die helfen, sich in einer ungewohnten oder unangenehmen Situation wohler zu fühlen. Bei vielen Menschen ist das der Alkohol. Dieser ist allerdings mit Vorsicht zu genießen.

Eine Befragung aus dem ersten Lockdown in Österreich zeigte, dass sich der Alkoholkonsum bei den meisten kaum verändert hat. Von denen, die angaben Alkohol zu konsumieren, blieb beim Großteil (71 Prozent) der Konsum während des ersten Lockdowns gleich wie zuvor, 13 Prozent haben mehr getrunken, 16 Prozent tranken weniger. Anlass für das Reduzieren war bei den meisten das Wegfallen von Anlässen. Auch europaweit zeigt die Tendenz einen gleichbleibenden Alkoholkonsum. Allerdings hat sich die Frequenz beim Trinken erhöht. Die Menschen greifen demnach also öfter mal zum Glas Wein, trinken dafür weniger auf einmal.

Im Interview mit dem Ö1 Mittagsjournal klärt Ewald Lochner, Geschäftsführer der Sucht- und Drogenkoordination Wien, auf: „Wir wissen aus Bewegungsdaten aus dem ersten Lockdown, dass die Menschen sich erstens sehr daran gehalten haben, und dass zweitens aufgrund des Wegfallens von Lokalen und auch der Möglichkeit zu feiern natürlich auch der Alkoholkonsum zurückgegangen ist“, sagt Ewald Lochner, Geschäftsführer der Sucht- und Drogenkoordination Wien. „Was wir NICHT wissen, ist, wie viele Menschen schon zu dem Zeitpunkt beziehungsweise in Folge dann der zweiten, dritten Lockdowns einfach zu Hause Alkohol konsumiert haben.“ Da Alkohol weiterhin in Supermärkten erhältlich war und zu Hause die soziale Kontrolle - die sonst im öffentlichen Raum besteht - wegfällt, rechnet Lochner mit einem Anstieg von 10 bis 15 Prozent bei problematischem Trinkverhalten und dass der Bedarf nach Suchttherapie auch die Jahre danach noch höher sein wird als vor der Pandemie.

Neue Risikogruppen

Die Experten der Suchtberatung haben jetzt im Zusammenhang mit der Coronapandemie neue Risikogruppen für problematischen Alkoholkonsum ausgemacht. Dazu zählen jetzt Menschen, die in systemerhaltenden Berufen und in der Pflege arbeiten, Menschen, die ihren Job verloren haben. Auch junge Erwachsene, die sich große Sorgen über ihre Zukunft machen, weil Studieren oder Ausbildungen wegen der Maßnahmen stark eingeschränkt waren und Frauen, die mit Kinderbetreuung und Home-Office die Auswirkungen der Lockdowns besonders hart getroffen haben.

Selbsttest online

Wer sich über das Thema Alkoholsucht informieren möchte: Auf der Seite der Dialogwoche Alkohol gibt es auch ein Online-Selbsthilfe-Tool namens Alkcoach, mit dem man in einem ersten Schritt den eigenen Konsum überprüfen und gegebenenfalls reduzieren kann.

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