Sie zog vor 1000 Jahren in die Wikinger-Schlacht

Forscher haben das Gesicht einer verletzten Wikingerin rekonstruiert und so einen Hinweis dafür geliefert, dass einst nicht nur nordische Männer in den Krieg zogen.
Unser Bild der Wikinger ist geprägt von langhaarigen Muskelmännern mit zotteligen Bärten, die in den Jahren von 800 bis 1050 halb Europa in Angst und Schrecken versetzten. Die Nachbildung des Gesichts einer Wikingerin bringt nun dieses Bild ins Wanken. Sie legt nahe, dass die Wikingermänner ihre Frauen nicht wie bisher angenommen zu Hause ließen, wenn sie zu ihren berüchtigten Plünderungszügen ausliefen, sondern sie als Kriegerinnen mitnahmen.

Die Grundlage für die Gesichtsrekonstruktion bildete ein Skelett, das in einem Wikingergrab in Solør, Norwegen, entdeckt worden war und heute im Kulturhistorischen Museum in Oslo ausgestellt ist. Zwar war bekannt, dass das Skelett weiblich ist. Doch das Grab, obwohl mit vielen wertvollen Waffen ausgestattet, wurde nicht als Kriegergrab betrachtet. "Und das nur, weil eine Frau darin lag", wie die Archäologin Ella Al-Shamahi dem "Guardian" sagte.

Verletzung durch Schwerthieb

Bei der Nachbildung des Gesichts zeigte sich, dass die Wikingerin eine Verletzung am Kopf erlitten hatte, wie sie ein Schwerthieb hinterlässt. Die Verletzung war so schwer, dass sie am Schädelknochen eine Einbuchtung hinterließ. Ob die Frau an der Folgen der Verletzung starb, ist unklar. Die Forscher fanden Hinweise auf eine Genesung.

Die mit der Rekonstruktion des Gesichts betraute Forscherin Caroline Erolin von der Universität Dundee erklärte, dass eine solche Nachbildung nie zu 100 Prozent korrekt sein könne. Sie sei aber genau genug, dass jemand, der die Frau im echten Leben gekannt habe, sie wiedererkennen würde.

CommentCreated with Sketch.0 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Für Al-Shamahi ist klar, dass es sich hier um das erste Beispiel einer Wikingerin mit einer Kriegsverletzung handelt. "Ich bin so aufgeregt, weil seit tausend Jahren niemand dieses Gesicht gesehen hat. Plötzlich ist sie so real geworden", sagt sie. Sie wird die Ergebnisse ihrer Forschung im Dezember in einer Dokumentation auf dem Sender National Geographic präsentieren (siehe Box).

Einsatz als Bogenschützinnen

In der Dokumentation werden auch andere Skelettfunde thematisiert, so etwa die sogenannte Birka-Frau, die vor über hundert Jahren in Schweden gefunden wurde. Auch ihr Grab war mit einer eindrücklichen Auswahl von Waffen ausgestattet. Aus diesem Grund ging man bis zu einer erneuten Untersuchung 2017 davon aus, dass das Skelett männlich sein müsse.

Laut Al-Shamahi könnte sie eine Heeresführerin gewesen sein, auch wenn manche Experten nach wie vor bezweifeln, dass Frauen bei den Wikingern überhaupt Kriegerinnen sein konnten. Al-Shamahi räumt denn auch ein, dass Frauen im Nahkampf wohl chancenlos gewesen seien. Sie glaubt aber, dass sie als Bogenschützinnen auf dem Pferd den Männern ebenbürtig waren. (jcg)
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