Nach dem schweren Erdbeben in der Osttürkei schwindet langsam die Hoffnung, dass noch Verschüttete gefunden werden. Doch es gibt Wunder: Zwei Tage nach dem Beben sind sieben Verschüttete lebend geborgen worden.
"Es war wie das Jüngste Gericht", schildert der 18-jährige Mesut Özan Yilmaz. Er war 32 Stunden unter den Trümmern begraben. Er habe sich unter einen Tisch retten können, unter dem es jedoch sehr eng gewesen sei. Wie seine mit ihm verschütteten Freunde habe er um mehr Platz zum Überleben gekämpft. "Ich habe meinen Kopf auf die Füße eines toten Mannes gelegt", berichtete der unverletzt gebliebene Yilmaz.
Am Montag gelang den Hilfskräften die , das 20 Stunden vergraben war. Doch langsam schwindet jetzt die Hoffnung nach weiteren Überlebenden. Indes hat sich die Zahl der Toten erhöht. Fast 400 Menschen sollen in den Trümmern umgekommen sein. Die Zahl der Verletzten liegt bei weit über 1000.
Eisige Temeraturen
In Anatolien sinken die Temperaturen in der Nacht auf wenige Plus-Grade. Dennoch verbringen die Bewohner in der an den Iran grenzenden Region Van die Nacht im Freien. Denn die Erde bebt zwei Tage nach der schweren Erschütterung weiter: "Ich zittere immer noch vor Angst. Solange die Nachbeben andauern, bleiben wir auf der Straße", sagt eine Frau, während sie sich vor einem Feuer wärmt.
Es ist schon die zweite Nacht, die die Betroffenen im Freien verbringen. Zahlreiche Menschen suchen in Autos, Zelten oder unter Decken Schutz vor der klirrenden Kälte. Manche haben ohnehin keine Bleibe, weil ihr Haus eingestürzt ist, haben den Verlust von Familienmitgliedern oder Freunden zu beklagen.
Die türkische Regierung schickte insgesamt mehr als 1200 Helfer in die Provinz Van, die mehrheitlich von Kurden bewohnt wird. Doch diese sind trotz gegenteiliger Behauptung der Regierung nicht gut ausgerüstet: "Wir arbeiten mit primitiven Werkzeugen, wir haben keine Ausrüstung", berichtet einer der Retter gegenüber der türkischen Zeitung Hürriyet.
Türkei will sich nicht helfen lassen
Aserbaidschan, Bulgarien und der Iran schickten Hilfe in die Türkei, obwohl Ankara erklärt hat, mit der Lage selbst fertig zu werden. Die Regierung akzeptierte aber die Hilfsangebote, weil sie bereits am Vortag auf den Weg gebracht worden waren. Auch die EU bot Hilfe an.
Eine Theorie, wieso die Türkei Hilfe eher ablehnt, sei, dass die Türkei Stärke beweisen will. Das erklärte Andreas Teichert, Leiter des Krisenstabs Ostasien, den Deutsch Türkischen Nachrichten. "Ich kann mir auch vorstellen, dass es hier um die PKK geht". Die meisten Betroffenen sind Kurden, möglicherweise sind auch PKK-Mitglieder darunter. "Vielleicht denkt man, je weniger, desto besser", so Teichert.