Nach den politischen Debatten rund um das Gauder Fest sorgt nun ein möglicher Neonazi-Skandal für Aufregung im Zillertal: Die Polizei ermittelt wegen mutmaßlicher Wiederbetätigung und rassistischer Vorfälle rund um das Traditionsfest in Zell am Ziller.
Laut einem Bericht der Tageszeitung "Der Standard" sollen mehrere Gruppen bereits auf der Anreise mit der Zillertalbahn durch "Sieg Heil"-Rufe aufgefallen sein. Ein verdeckt aufgenommenes Video soll die Vorwürfe untermauern.
Darüber hinaus berichten anonyme Augenzeugen von rassistischen und antisemitischen Aussagen durch Besucher des Festes. Auch neonazistische Schmierereien sollen entdeckt worden sein. Das dreitägige Gauder Fest lockte heuer rund 30.000 Besucherinnen und Besucher ins Zillertal.
In der Gemeinde selbst reagiert man betroffen auf die mutmaßlichen Vorfälle. Bürgermeister und Veranstalter Robert Pramstrahler erklärte gegenüber ORF Tirol, erst durch Medienberichte von den Anschuldigungen erfahren zu haben. Die Polizei habe inzwischen Ermittlungen aufgenommen.
Pramstrahler distanzierte sich deutlich von den geschilderten Szenen: "Das Gauder Fest ist ein Traditionsfest mit Brauchtum und Geschichte und vielen Menschen, die einfach feiern wollen. Rechtsradikale und Neonazis haben hier keinen Platz. Wir verurteilen das zutiefst", sagte er.
Zugleich appellierte der Bürgermeister an Besucher, verdächtige Vorfälle sofort zu melden: "Ich rufe auch zur Zivilcourage auf. Man muss nicht gleich hingehen, wenn man so etwas bemerkt, aber man sollte es zumindest der Polizei melden."
Beim Gauder Fest gebe es Videoüberwachung sowie ausreichend Polizeipräsenz, betonte Pramstrahler. Dadurch seien die Chancen gut, mögliche Täter rasch auszuforschen und "vom Fest zu entfernen". Er hoffe, dass die Verantwortlichen schnell gefunden würden und die entsprechenden Konsequenzen tragen müssten.