Der Krieg im Nahen Osten ist Tausende Kilometer entfernt – Wiener Gastronomen spüren die Folgen aber trotzdem. Restaurants, Hotels und Tourismusbetriebe stellen fest, dass kaufkräftige Gäste aus den Golfstaaten, Israel und Teilen Asiens ausbleiben. Die Folge: leere Tische in manchen Nobel-Lokalen, weniger Luxus-Konsum und eine spürbare Veränderung des Publikums.
"Viele denken bei geopolitischen Krisen zuerst an Ölpreise oder die Börse. In Wien sehen wir die Auswirkungen mittlerweile direkt bei Reservierungen, Gästen und Umsätzen", sagt Gastronomieexperte Franz Bernthaler, Geschäftsführer der Culinarius Gruppe.
Besonders schmerzhaft ist der Rückgang bei Touristen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Israel und asiatischen Fernmärkten. Gerade diese Gäste gelten als besonders ausgabenfreudig. Branchenzahlen zeigen: Ihre täglichen Ausgaben liegen teilweise bei rund 500 Euro pro Person – deutlich über dem europäischen Durchschnitt.
"Der Rückgang trifft nicht nur Hotels. Vor allem Restaurants, Bars, Fine-Dining-Betriebe und der gehobene Einzelhandel spüren die Entwicklung bereits deutlich", warnt Bernthaler. Vor allem die Wiener Innenstadt, Luxus-Hotels und touristische Hotspots sind betroffen.
Michael Dvoracek, Betreiber des beliebten Restaurants Viva la Mamma, beobachtet die Entwicklung seit Wochen. "Mai und Juni waren normalerweise Hochsaison bei unseren arabischen Gästen. Diese Gästegruppen waren ein wichtiger Motor für die Wiener Gastronomie. Heuer merken wir deutlich, dass viele ausbleiben oder wesentlich kurzfristiger buchen", erzählt er.
Gleichzeitig kehren jedoch mehr Einheimische in die Lokale zurück. "Das verändert die Stimmung, aber auch das Konsumverhalten spürbar."
Auch Gastronomie-Urgestein Erich Heindl sieht die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. "Der Wiener Gastronomie geht es derzeit noch gut. Aber der Rückgang asiatischer und arabischer Gäste bereitet zunehmend Sorge. Gleichzeitig kämpfen viele Betriebe mit massiv gestiegenen Personal- und Energiekosten", sagt der Wirt.
Seine Schmarren- und Palatschinkenkuchl komme bisher gut durch die Krise. "Wir setzen seit Jahrzehnten auf Wiener Gäste, günstige Menüs und traditionelle Küche. Das zahlt sich jetzt aus."
Trotz aller Sorgen sieht Bernthaler auch eine überraschende Entwicklung: Die internationale Unsicherheit könnte regionale Gastronomie stärken. "Gerade in Krisenzeiten suchen Menschen nach Sicherheit, Verlässlichkeit und authentischen Erlebnissen. Davon können regionale Betriebe profitieren."
Wien gelte weiterhin als sichere und attraktive Destination. Der Tourismus werde deshalb nicht verschwinden, sondern sich verändern.