Skandal-Boris will trotz "Partygate" im Amt bleiben

Der "place to be": Im Amtssitz des Premiers, der Downing Street 10, sollen trotz Lockdowns wilde Partys gefeiert worden sein.
Der "place to be": Im Amtssitz des Premiers, der Downing Street 10, sollen trotz Lockdowns wilde Partys gefeiert worden sein.REUTERS
Einen Rücktritt schließt Premier Johnson kategorisch aus. Währenddessen wartet ganz Großbritannien mit Spannung auf den brisanten Polizeibericht.

Boris Johnson steht das Wasser zunehmend bis zum Hals. Berichte von dutzenden Corona-Partys im offiziellen Amtssitz des britischen Premiers während des harten Lockdowns bringen den Skandal-Politiker immer weiter in Erklärungsnot. Trotz zahlreicher Rücktrittsaufforderungen und laufender Ermittlungen der Londoner Polizei will der Tory-Chef weiter im Amt bleiben und erteilt einem vorzeitigen Rückzug aus dem Amt eine klare Absage.

Das sagte der Tory-Chef heute bei einer Auseinandersetzung mit seinem politischen Widersacher, dem Oppositionsführer und Labourpartei-Vorsitzenden Keir Starmer, während einer Fragestunde im Parlament. Und das nur wenige Stunden vor der Veröffentlichung des mit Spannung erwarteten Untersuchungsbericht der Spitzenbeamtin Sue Gray. Gray hat seit Wochen Beweise für illegale Partys im Amtssitz des Premiers gesammelt, zahlreiche Zeugen sollen befragt worden sein.

Gruppenbesäufnisse während hartem Lockdown

Wann es so weit sein wird, ist noch unklar. In der parlamentarischen Fragestunde ließ Johnson anklingen, dass er den Bericht noch nicht erhalten habe. Der britische Premierminister soll die Untersuchungsergebnisse zuerst bekommen und später der Öffentlichkeit vorlegen. Unabhängig vom Ergebnis schloss Johnson bereits im Vorfeld einen Rückzug aus der Downing Street 10 mehrmals kategorisch aus.

Der Fokus der polizeilichen Ermittlungen liegt auf 15 Corona-Partys, die während des harten Lockdowns in Großbritannien in Johnsons Amtssitz in London stattgefunden haben sollen – darunter mehrere Weihnachtsfeiern, ein Geburtstagsumtrunk sowie nächtliche Besäufnisse am Abend vor dem Begräbnis von Prince Philipp. Die Ermittler rund um Sue Gray sollen klären, wer wann wo und wie oft mit wem gefeiert hat.

Auch wenn Johnson den Ernst der Lage herunterspielt, steht sein politisches Überleben auf dem Spiel. Rund eine Handvoll Tory-Abgeordneter forderte bereits offen den Rückzug ihres in Missgunst geratenen Parteichefs. Sollten ihm 54 Konservative das Misstrauen aussprechen, folgt ein Vertrauensvotum im Parlament. Sollte der Skandal-Premier dieses gewinnen, kann er erst wieder in einem Jahr aus dem Amt gedrängt werden. Sollte Johnson hingegen scheitern, muss auf der königlichen Insel ein neuer Staatschef gefunden werden.

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