Die mutmaßlichen "Sniper-Touren" während des Bosnienkriegs beschäftigen nun auch die österreichische Justiz. Die Staatsanwaltschaft Krems ermittelt laut "Krone" gegen einen Niederösterreicher aus dem Waldviertel sowie gegen einen weiteren bislang unbekannten Verdächtigen. Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch eine parlamentarische Anfrage der grünen Justizsprecherin Alma Zadić.
Laut Informationen aus Ermittlerkreisen soll der rund 60 Jahre alte Mann zwischen 1992 und 1996 während der Belagerung Sarajevos in die bosnische Hauptstadt gereist sein, um dort als Scharfschütze auf Zivilisten zu schießen. Die mutmaßlichen "Sniper-Safaris" sollen als harmlose Jagdreisen auf den Balkan getarnt worden sein, berichtet die "Krone".
Ähnliche Ermittlungen laufen bereits seit Monaten in Italien. Dort wurden die Untersuchungen nach einer Anzeige des Mailänder Schriftstellers Ezio Gavazzeni gestartet. Laut dessen Recherchen sollen neben Italienern auch Staatsbürger aus Österreich und Deutschland an den sogenannten "Menschen-Safaris" beteiligt gewesen sein.
"Jedes Land, auch Österreich, sollte Ermittlungen einleiten, wie wir es in Italien getan haben. Jedes Land sollte seine Hausaufgaben machen", sagte Gavazzeni im Februar zur APA in Rom.
Nach seinen Angaben sollen wohlhabende Personen bis zu 300.000 Euro für ein Wochenende in Sarajevo bezahlt haben. Politische oder religiöse Motive habe es dabei nicht gegeben.
"Es waren reiche Leute, die dorthin gingen, um Spaß zu haben. Wir sprechen von Menschen, die Waffen lieben und vielleicht auch auf Safari nach Afrika fahren. Für solche Menschen ist das Schießen wie ein Videospiel, es ist für sie egal, ob sie ein Tier, eine Frau, einen alten Menschen, oder ein Kind treffen. Sie kennen nur die Sprache des Geldes", sagte der Schriftsteller.