Staatsanwaltschaft ermittelt

"Sniper-Safari" in Bosnien: Spur führt zu Österreicher

Im Fall der mutmaßlichen "Sniper-Touristen" im Bosnienkrieg ermittelt nun die Justiz gegen einen Österreicher sowie einen weiteren unbekannten Täter.
Lara Heisinger
19.05.2026, 11:49
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Mehr als 30 Jahre nach Beginn des Bosnienkriegs beschäftigen mutmaßliche "Sniper-Touristen" nun auch die österreichische Justiz. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen österreichischen Staatsbürger und einen weiteren unbekannten Täter.

Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch eine parlamentarische Anfrage der grünen Justizsprecherin Alma Zadić. Laut Informationen aus Ermittlerkreisen gibt es gegen die Verdächtigen konkrete Verdachtsmomente, berichtet die "Krone". Der Österreicher soll zwischen 1992 und 1996 nach Sarajevo gereist sein, um während der Belagerung der Stadt als Scharfschütze auf Zivilisten zu schießen.

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"Sniper-Safaris" als Jagdreisen getarnt

Die mutmaßlichen "Sniper-Safaris" sollen laut Ermittlern als harmlose Jagdreisen auf den Balkan getarnt worden sein. Ähnliche Untersuchungen laufen bereits seit Monaten in Italien. Dort wurden die Ermittlungen nach einer Anzeige des Mailänder Schriftstellers Ezio Gavazzeni gestartet.

Gavazzeni zufolge sollen sich neben Italienern auch Bürger aus Österreich und Deutschland an den sogenannten "Menschen-Safaris" beteiligt haben. "Jedes Land, auch Österreich, sollte Ermittlungen einleiten, wie wir es in Italien getan haben. Jedes Land sollte seine Hausaufgaben machen", sagte der 66-Jährige im Februar zur APA in Rom.

Der Journalist veröffentlichte inzwischen auch ein Buch über die mutmaßlichen Touren. Ausgangspunkt für die italienischen Ermittlungen war zudem der 2022 erschienene Dokumentarfilm "Sarajevo Safari" des slowenischen Regisseurs Miran Zupanic. Darin berichten anonym bleibende Geheimdienstmitarbeiter von reichen Ausländern, die Geld bezahlt haben sollen, um auf Menschen in Sarajevo zu schießen.

"Der Dokumentarfilm ist am ganzen Balkan und in vielen afrikanischen Ländern ausgestrahlt worden. Ich frage mich, warum kein westliches Fernsehen die Rechte für diesen Film gekauft hat", kritisierte Gavazzeni.

300.000 Euro bezahlt

Laut seinen Recherchen handelte es sich bei den mutmaßlichen Schützen um wohlhabende Personen, die bis zu 300.000 Euro für ein Wochenende in Sarajevo bezahlt haben sollen. Politische oder religiöse Motive habe es demnach nicht gegeben.

"Es waren reiche Leute, die dorthin gingen, um Spaß zu haben. Wir sprechen von Menschen, die Waffen lieben und vielleicht auch auf Safari nach Afrika fahren. Für solche Menschen ist das Schießen wie ein Videospiel, es ist für sie egal, ob sie ein Tier, eine Frau, einen alten Menschen, oder ein Kind treffen. Sie kennen nur die Sprache des Geldes", sagte der Autor.

Anzeige gegen Serbiens Präsidenten

Seit dem Vorjahr gibt es zudem eine Anzeige gegen Serbiens Präsidenten Aleksandar Vučić. Der kroatische Journalist Domagoj Margetić veröffentlichte in sozialen Medien Material, das belegen soll, dass Vučić damals als junger Freiwilliger an einem militärischen Stützpunkt in Sarajevo anwesend gewesen sei. Von dort sollen laut Zeugenaussagen ausländische Staatsbürger und serbische ultranationalistische Einheiten auf Zivilisten geschossen haben.

Die Belagerung von Sarajevo zählt zu den brutalsten Kapiteln des Bosnienkriegs. Insgesamt kamen während des Konflikts rund 100.000 Menschen ums Leben, allein in Sarajevo starben etwa 11.000 Menschen.

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