Nach mehr als 30 Jahren vor der Wetterkarte meldet sich Christa Kummer jetzt so offen wie selten zuvor zu Wort. Die frühere ORF-Wettermoderatorin spricht in der "Krone" über ihren emotionalen Abschied vom Sender, über fehlende Gespräche mit der Führungsetage und darüber, wie sehr sie der Umgang mit langjährigen Mitarbeitern verletzt hat. Gleichzeitig zeigt sich die 61-Jährige kämpferisch, blickt auf ihre Karriere zurück und erzählt, warum sie trotz allem keinen Groll mit sich herumtragen will.
Mehr als 30.000 Wettersendungen präsentierte sie im ORF, ihr Markenzeichen wurden nicht nur ihre Wetterberichte, sondern auch ihre auffälligen High Heels. Im vergangenen September war plötzlich Schluss. Nach Jahrzehnten beim Sender musste sie sich verabschieden. Kummer erzählt im "Krone"-Interview, dass sie noch immer ständig auf der Straße angesprochen werde. Viele Zuschauer würden ihr sagen, dass sie sie vermissen. Früher sei sie "das Gesicht hinter der Scheibe" gewesen, heute sei sie "ein Mensch zum Angreifen".
Besonders emotional wird die frühere Moderatorin, wenn sie über ihre Zeit beim ORF spricht – da rollten im Interview laut "Krone" sogar die Tränen. Der Sender sei für sie immer "Familie" gewesen. Feiertage, Weihnachten oder Silvester habe sie oft im Dienst verbracht. Als kinderlose Frau sei sie fast immer eingesprungen, schilderte sie. Laut Kummer habe sie in den vergangenen Jahrzehnten rund 27 Jahre lang Weihnachtsdienste übernommen. Gleichzeitig spart sie aber auch nicht mit Kritik.
"Auch in Familien gibt es Mitglieder, bei denen man froh ist, wenn man sie nicht mehr sehen muss", sagt sie offen. Besonders eng verbunden fühle sie sich noch immer mit den Menschen hinter den Kulissen – mit Visagisten, Technikern, Regie und Kollegen aus dem Alltag des Senders. Diese Menschen hätten dafür gesorgt, dass sie vor der Kamera glänzen konnte. Auch über ihre Anfänge beim ORF spricht Kummer ungewöhnlich offen. 1994 begann sie beim Wetterdienst – zunächst für gerade einmal 80 Schilling pro Stunde.
Dabei sei sie bereits Akademikerin gewesen. Rückblickend könne sie kaum glauben, wie wenig sie damals verdient habe. Erst nach zehn Jahren habe sie überhaupt einen ersten befristeten Moderatorenvertrag erhalten. Davor habe sie mit Jahresverträgen gearbeitet. Eine frühe Gehaltsdiskussion ist ihr bis heute in Erinnerung geblieben. Als sie nach mehr Geld fragte, soll ihr ein damaliger Vorgesetzter gesagt haben, seine Putzfrau verdiene bereits 100 Schilling. Ihre Antwort darauf sei gewesen: "Vielleicht sollte ich dann bei Ihnen als Putzfrau anfangen."
Kummer beschreibt sich selbst rückblickend als "Arbeitsbiene", die nie Netzwerke gepflegt oder den Kontakt zu Chefs gesucht habe. Verhandelt habe sie kaum, oft sei ihr einfach ein Vertrag hingelegt worden – nach dem Motto: "Nimm ihn oder lass ihn." Sie sei dankbar erzogen worden und habe ihren Arbeitsplatz nie infrage gestellt. Heute sagt sie mit einem Lachen: "Vielleicht war ich auch einfach zu blöd." Besonders schmerzlich sei für sie gewesen, dass sie im ORF lange auf ihre Rolle als Wettermoderatorin reduziert worden sei.
Obwohl sie Geowissenschafterin und Theologin ist, habe sie kaum Chancen bekommen, andere Formate zu moderieren. Mehrfach habe sie sich intern beworben, etwa im Bereich Information und Religion. Dort habe man ihr laut eigener Aussage erklärt, sie sei "die Coca-Cola-Flasche des Wetters" – und in Cola könne man eben kein Fanta hineingießen. Die Aussagen hätten sie getroffen, dennoch habe sie weitergearbeitet. Gleichzeitig sei sie vom Publikum mit enormen Beliebtheitswerten belohnt worden. Genau dieser Widerspruch habe sie oft traurig gemacht.
Deutlich wird Kummer beim Thema Abschied und Alter. Sie habe gewusst, dass mit 60 Jahren ein Einschnitt komme. Doch dass nach mehr als drei Jahrzehnten kaum jemand mit ihr gesprochen habe, empfinde sie als "beschämend". Es gehe nicht nur um sie selbst, sondern generell um den Umgang mit älteren Mitarbeitern. Dabei spricht sie auch die unterschiedliche Behandlung von Männern und Frauen an. Männer würden oft weit über das Pensionsalter hinaus große Formate moderieren. Frauen hingegen seien deutlich früher weg vom Bildschirm.
Der damalige ORF-Generaldirektor Roland Weißmann habe sie erst kurz vor ihrem Abschied angerufen. Er habe sich laut Kummer überrascht gezeigt, dass sie keine Abschiedsfeier wolle. Für sie habe das allerdings seltsam gewirkt, weil davor offenbar niemand ernsthaft das Gespräch mit ihr gesucht habe. Trotz aller Kritik wirkt Christa Kummer heute nicht verbittert. Sie sagt klar, dass jeder Lebensabschnitt irgendwann endet. Nach ihrem ORF-Aus habe für sie ein völlig neues Leben begonnen. Heute arbeitet sie als Vortragende und Moderatorin.
Auch die aktuellen Affären rund um den ORF will sie nicht kommentieren. Ihr tue vor allem leid, dass viele junge Mitarbeiter jetzt unter dem schlechten Bild des Senders leiden müssten. Viele würden hart arbeiten und vergleichsweise wenig verdienen. Sehr persönlich wird das Gespräch auch beim Thema Frauenbild und Auftreten. Ihre High Heels seien nie ein Sexsymbol für sie gewesen, sondern einfach Mode und Ausdruck ihrer Persönlichkeit. Mittlerweile besitzt sie nach eigenen Angaben noch immer zahlreiche Paar Schuhe, sie wurden zum Markenzeichen.