Der frühere St. Pöltner Priesterseminar-Leiter Ulrich Küchl ist tot. Der Geistliche, dessen Name eng mit dem "Skandal von St. Pölten" verbunden war, kam bei einem Verkehrsunfall in Tschechien ums Leben.
Wie die "Kronen Zeitung" am Feiertag berichtet, starb der 82-Jährige am Dienstag kurz vor Mittag nahe dem Dorf Drahov in der tschechischen Region Tabor. Demnach prallte der gebürtige Deutsche mit einem weißen Dacia Sandero gegen einen Baum.
Laut einem tschechischen Medium versuchten Ersthelfer und Rettungskräfte rund 40 Minuten lang, den Geistlichen wiederzubeleben. Die Maßnahmen blieben jedoch erfolglos.
Ein Wegbegleiter aus der Brüderschaft sagte über Küchl: "Er war ein guter Mensch". Zudem meinte er: "Man darf ihn nicht darauf reduzieren, was passiert ist", berichtet die "Krone".
Küchl war nach seiner Flucht mit der Familie vor der Roten Armee nach Österreich gekommen. 1962 maturierte er in Waidhofen an der Ybbs in Niederösterreich. Später studierte er Theologie und wurde 1967 zum Priester geweiht. Mit 33 Jahren wurde er zum Probst ernannt.
Bundesweit bekannt wurde Küchl als Leiter des Priesterseminars St. Pölten zwischen 2001 und 2004 unter dem damaligen Bischof Kurt Krenn. In dieser Zeit sorgte der sogenannte "Skandal von St. Pölten" international für Schlagzeilen.
Damals wurden laut Berichten tausende pornografische Dateien im katholischen Priesterseminar sichergestellt. Zudem standen Vorwürfe über sexuelle Kontakte zwischen Seminarteilnehmern und Vorgesetzten im Raum. Auch Aufnahmen von sexuellem Missbrauch von Kindern sollen entdeckt worden sein.
Das Bischöfliche Konsistorium distanzierte sich damals von den Vorgängen. Bischof Kurt Krenn erklärte, Homosexualität und Pornografie seien in einem Priesterseminar "fehl am Platz". Ein Bild, auf dem Küchl einen anderen Mann küsst, kommentierte Krenn später mit den Worten: "Buben-Dummheiten!"
Im Zuge der Affäre traten sowohl Küchl als auch sein Stellvertreter Wolfgang Rothe von ihren Ämtern zurück. Beide erklärten damals, nichts von den Vorgängen gewusst zu haben. Küchl bestritt die Vorwürfe bis zuletzt.
Nach seinem Rückzug lebte der Prälat zeitweise in der Waldviertler Gemeinde Eisgarn. Laut Berichten war er zuletzt von Dresden auf dem Weg zurück nach Österreich, als sich der tödliche Unfall ereignete.