So furchtbar sind Amazons Arbeitsbedingungen

Amazon soll die eigene Produktivität wichtiger sein als das Heil der Angestellten. "The Guardian" hat Arbeiterschicksale gesammelt.
Amazon behandle die Angestellten in seinen US-Lagern sehr schlecht, schreibt "The Guardian". Eine Untersuchung der Zeitung habe ergeben, dass viele Mitarbeiter am Schluss arbeitslos, arbeitsunfähig oder sonst ohne Einkommen seien.

Das Hauptbeispiel im Bericht ist Vickie Shannon Allen. Die 49-Jährige verletzte sich im Oktober 2017 bei der Arbeit, weil der Arbeitsplatz nicht mit den nötigen Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet war. Die Rückenverletzung führte dazu, dass sie nicht mehr schnell genug arbeiten konnte. Sie kam weiterhin täglich zur Arbeit, wurde aber jeden Tag unbezahlt nach Hause geschickt.

Sie lebt im Auto auf dem Amazon-Parkplatz

Nach einiger Zeit sei dann die Arbeiterversicherung eingesprungen und Allen ging in die Physiotherapie. Als sie drei Monate nach ihrer Verletzung wieder zur Arbeit zurückkehrte, verletzte sie sich prompt noch einmal an der gleichen Stelle – die nötigen Sicherheitsvorkehrungen fehlten immer noch. Wegen unzähliger unbezahlter Absenzen lebt Allen mittlerweile in ihrem Auto auf dem Parkplatz vor dem Amazon-Lager. Von dort postet sie auch gelegentlich Videos auf Youtube:



CommentCreated with Sketch.21 Zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Anfang Juli 2018 traf sich die Angestellte mit dem Management des Lagers. Laut dem Bericht haben die Chefs ihr einen Buy-out angeboten: Sie hätte 3.500 US-Dollar erhalten und dafür nichts Negatives über Amazon sagen dürfen. Sie lehnte das Angebot ab, um über die Missstände reden zu können.

Weitere Kritik von anderen Angestellten

Allen ist nicht die Einzige mit negativen Erfahrungen. Bereits im April verklagte Bryan Hill aus dem US-Staat Florida Amazon. Die Firma soll ihn gefeuert haben, weil er sich bei der Arbeit verletzte und das zwar gemeldet, danach aber ein bestimmtes Formular für die Versicherung nicht ausgefüllt habe.

Ein weiterer Arbeiter berichtet laut "The Guardian", er sei ebenfalls kurz nach seiner Verletzung entlassen worden. Die Versicherung habe ihm nur 5 statt 26 Wochen Verletztengeld bezahlt.

Gefährlichste Arbeitsplätze in den USA

Amazons Lager gehören laut dem amerikanischen National Council for Occupational Safety and Health zu den gefährlichsten Arbeitsplätzen in den USA. Grund dafür ist laut der Organisation etwa, dass Amazon Produktivität und Effizienz mehr schätze als die Sicherheit und der Lebensunterhalt der Angestellten.

Eine Amazon-Sprecherin sagt zu "20 Minuten", Amazon halte den Bericht nicht für eine zutreffende Darstellung. Die Sicherheit der 560.000 Angestellten sei für das Unternehmen die höchste Priorität. "Wir ermutigen jeden, an einer Tour in unseren Fulfillment Centers teilzunehmen und sich selbst davon zu überzeugen", fügt die Sprecherin hinzu.



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