So kann die Welt nach der Corona-Krise aussehen

Der Zukunfsforscher Matthias Horx teilt in einem Blogbeitrag seine Vision von einer schönen neuen Welt, mit neuer Menschlichkeit und Hoffnung.
Matthias Horx ist Unternehmensberater und freier Autor. Seine Spezialisierung liegt auf Zukunfts- und Trendthemen. In einem Blogbetrag teilt er seine Vision für eine "Welt nach Corona". Und diese ist durchaus positiv. So soll der Mensch nach der Krise entschleunigter, freundlicher und umweltbewusster sein und neue Prioritäten haben. In der Krise sieht er vor allem eine Chance.

Folgend findest du ihn in gekürzeter Version beziehungsweise in Auszügen und hierkannst du den ganzen Blogeintrag lesen:

Ich werde derzeit oft gefragt, wann Corona denn „vorbei sein wird" und alles wieder zur Normalität zurückkehrt. Meine Antwort: Niemals. Es gibt historische Momente, in denen die Zukunft ihre Richtung ändert. Diese Zeiten sind jetzt. Die Welt as we know it löst sich gerade auf.

CommentCreated with Sketch. zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Unsere Welt im Herbst 2020

Stellen wir uns eine Situation im Herbst vor. Wir sitzen in einem Straßencafé in einer Großstadt. Es ist warm, und auf der Straße bewegen sich wieder Menschen. Bewegen sie sich anders? Ist alles so wie früher? Schmeckt der Wein, der Cocktail, der Kaffee, wieder wie früher? Wie damals vor Corona? Oder sogar besser? Worüber werden wir uns rückblickend wundern?



"Verzichte müssen nicht unbedingt Verlust bedeuten"


Wir werden uns wundern, dass die sozialen Verzichte, die wir leisten mussten, selten zu Vereinsamung führten. Im Gegenteil. Nach einer ersten Schockstarre fühlten sich viele sogar erleichtert, dass das viele Rennen, Reden, Kommunizieren auf Multikanälen plötzlich zu einem Halt kam. Verzichte müssen nicht unbedingt Verlust bedeuten, sondern können sogar neue Möglichkeitsräume eröffnen.



Die Verbindlichkeit kehrt zurück


Die gesellschaftliche Höflichkeit stieg an. Jetzt im Herbst 2020 herrscht bei Fußballspielen eine ganz andere Stimmung als im Frühjahr, als es jede Menge Massen-Wut-Pöbeleien gab. Das Homeoffice wurde für Viele zu einer Selbstverständlichkeit – einschließlich des Improvisierens und Zeit-Jonglierens, das damit verbunden ist.

Gleichzeitig erlebten scheinbar veraltete Kulturtechniken eine Renaissance. Plötzlich erwischte man nicht nur den Anrufbeantworter, wenn man anrief, sondern real vorhandene Menschen. Das Virus brachte eine neue Kultur des Langtelefonierens ohne Second Screen hervor. Auch die „messages" selbst bekamen plötzlich eine neue Bedeutung. Man kommunizierte wieder wirklich. So entstand eine neue Kultur der Erreichbarkeit. Der Verbindlichkeit.



„Bücher lesen wurde plötzlich zum Kult"


Menschen, die vor lauter Hektik nie zur Ruhe kamen, auch junge Menschen, machten plötzlich ausgiebige Spaziergänge. Bücher lesen wurde plötzlich zum Kult. Reality Shows wirkten plötzlich grottenpeinlich. Zynismus war plötzlich reichlich out. Die Übertreibungs-Angst-Hysterie in den Medien hielt sich, nach einem kurzen ersten Ausbruch, in Grenzen.

„Der große Technik-Hype ist vorbei"

Wir werden uns wundern, dass schließlich doch schon im Sommer Medikamente gefunden wurden, die die Überlebensrate erhöhten. Dadurch wurden die Todesraten gesenkt und Corona wurde zu einem Virus, mit dem wir eben umgehen müssen. Medizinischer Fortschritt half. Aber wir haben auch erfahren: Nicht so sehr die Technik, sondern die Veränderung sozialer Verhaltensformen war das Entscheidende. Dass Menschen trotz radikaler Einschränkungen solidarisch und konstruktiv bleiben konnten, gab den Ausschlag.

Damit hat sich das Verhältnis zwischen Technologie und Kultur verschoben. Vor der Krise schien Technologie das Allheilmittel, Träger aller Utopien. Der große Technik-Hype ist vorbei.

Wir werden uns wundern, wie weit die Ökonomie schrumpfen konnte, ohne dass so etwas wie „Zusammenbruch" tatsächlich passierte, der vorher bei jeder noch so kleinen Steuererhöhung und jedem staatlichen Eingriff beschworen wurde.

„In der neuen Welt spielt Vermögen plötzlich nicht mehr die entscheidende Rolle"

Heute im Herbst, gibt es wieder eine Weltwirtschaft. Netzwerke werden lokalisiert, das Handwerk erlebt eine Renaissance. Das Global-System driftet in Richtung: Lokalisierung des Globalen.

Wir werden uns wundern, dass sogar die Vermögensverluste durch den Börseneinbruch nicht so schmerzen. In der neuen Welt spielt Vermögen plötzlich nicht mehr die entscheidende Rolle.

Mitten im Shut-Down der Zivilisation laufen wir durch Wälder oder Parks, oder über fast leere Plätze. Aber das ist keine Apokalypse, sondern ein Neuanfang.

So erweist sich: Wandel beginnt als verändertes Muster von Erwartungen, von Wahr-Nehmungen und Welt-Verbindungen. Dabei ist es manchmal gerade der Bruch mit den Routinen, dem Gewohnten, der unseren Zukunfts-Sinn wieder freisetzt. Die Vorstellung und Gewissheit, dass alles ganz anders sein könnte.



„Fake News verloren rapide an Marktwert"


Politik bekam in dieser Krise eine neue Glaubwürdigkeit, eine neue Legitimität. Gerade weil sie „autoritär" handeln musste, schuf Politik Vertrauen ins Gesellschaftliche. Auch die Wissenschaft hat in der Bewährungskrise eine erstaunliche Renaissance erlebt. Virologen und Epidemiologen wurden zu Medienstars, aber auch „futuristische" Philosophen, Soziologen, Psychologen, Anthropologen, bekamen wieder Stimme und Gewicht. Fake News hingegen verloren rapide an Marktwert. Auch Verschwörungstheorien wirkten plötzlich wie Ladenhüter.









ThemaCreated with Sketch.Weiterlesen

Nav-AccountCreated with Sketch. heute.at TimeCreated with Sketch.| Akt:
Science