Eine Untersuchung des Instituts für Islamische Studien an der Universität Wien deutet auf eine starke Säkularisierung der Muslime in Österreich hin. Deren religiöses Leben sei facettenreicher und vielfältiger als weithin angenommen, hieß es am Mittwoch in einem Zwischenbericht. Bei der muslimischen Bevölkerung in Österreich handle es sich um keine homogene Gruppe mit einheitlicher Glaubenspraxis.
deutet auf eine starke Säkularisierung der Muslime in Österreich hin. Deren religiöses Leben sei facettenreicher und vielfältiger als weithin angenommen, hieß es am Mittwoch in einem Zwischenbericht. Bei der muslimischen Bevölkerung in Österreich handle es sich um keine homogene Gruppe mit einheitlicher Glaubenspraxis.
In Österreich ist der Anteil der muslimischen Bevölkerung in den vergangenen Jahren laut Studienautoren deutlich gestiegen. Er umfasste im Jahr 2009 mehr als eine halbe Million Menschen. Trotz der großen Zahl von Musliminnen und Muslimen in Österreich herrsche weitgehend Unkenntnis über ihr religiöses Alltagsleben.
Als Klischee habe sich erwiesen, dass sich die religiöse Alltagspraxis der Muslime strikt an den religiösen Pflichten des Islams orientiere. In öffentlichen Debatten etwa werde mit Schlagworten wie "Orientierungslosigkeit" und "Integrationsdefizit", "Parallelgesellschaft" oder "Kulturkonflikt" hantiert. Die Alltagspraxis der Muslime weiche durchaus von den Klischees ab, wie die Autoren zeigen.
Nur rund 20 % in religiösen Gemeinden
Laut einer deutschen Studie sind nur etwa Aktivitäten und Engagement im Rahmen von religiösen
Einrichtungen und Gemeinden legen hingegen lediglich 14 Prozent an den Tag. Diese Zahlen treffe auch für Österreich zu, so die Autoren. Was den täglichen Umgangs mit Religion betrifft, konnten die Forscher rund um Ednan Aslan fünf Haupttendenzen feststellen:
Distanzierung und Abwendung von Religion
Säkularisierter Umgang mit Religion
Religiöse Emanzipation
Pragmatischer Umgang mit Religion
Rückzug in die Religion
Internet für religiöse Zwecke
Die Autoren stellen zudem fest, dass viele Muslime das Internet (Youtube, Facebook, Koran als E-Book) nützen, um ihre Religion zu virtualisieren. Zum Auffrischen und Aneignung von praktischem Wissen zur Verrichtung religiöser Tätigkeiten werden ebenfalls Online-Medien wie Google benutzt.
Auch virtuelle Hilfestellungen infolge diverser Smartphone-Apps für Gebetszeiten und Gebetsrichtung werden genützt. Religiöse Praktiken werden mithilfe neuer elektronischer Medien teilweise ausgelöst, während zugleich ihre Ausübung stark beeinflusst wird.
Die Zwischenergebnisse der Studie basieren auf insgesamt 70 qualitativen Interviews mit Muslimen in ganz Österreich. Die Ergebnisse will die Forschergruppe im Jahr 2014 durch zusätzliche Erhebungen nun auch quantitativ überprüfen und vergleichen.