Zuerst hieß der Gegner Benfica Lissabon, dann plötzlich das Starensemble von Paris Saint-Germain. Klar, dass Real Madrid mit der Auslosung der Champions-League-Achtelfinals nicht zufrieden ist. Doch ist am Montag in Nyon alles mit rechten Dingen zugegangen? Diese Frage wird Fußball-Europa nach der Pannen-Show der UEFA noch eine ganze Weile beschäftigen.
Aber auch Juristen dürften sich bald um diese Frage kümmern müssen. Denn wie es aus Spanien heißt, will der Klub von ÖFB-Superstar David Alaba rechtliche Schritte gegen den Kontinentalverband prüfen und einleiten. Das Ziel: Die erste Ziehung, im Fall von Real also die Paarung mit Benfica, soll seine Gültigkeit zurückerhalten.
Die Real-Argumentation: Die entscheidenden Pannen seien zu einem Zeitpunkt passiert, als die Paarung Real gegen Benfica schon gezogen worden war. Deshalb sei es "unzulässig" und eine "Verfälschung" gewesen, die Auslosung der Königlichen zu wiederholen.
So wurden Klub-Verantwortliche in der spanischen Fußball-Tageszeitung "Marca" unmittelbar nach den Vorkommnissen am Montag in Nyon zitiert. Real-Verwaltungsrat Emilio Butragueno nahm später auf "Realmadrid TV" offiziell Stellung: "Es war überraschend, bedauerlich und sehr schwer zu verstehen."
Doch was war genau passiert? Fehler 1: Manchester United wurde fälschlicherweise als Gegner von Villarreal gezogen. Doch United und Villarreal spielten schon in der Gruppe gegeneinander. Die Kugel der Engländer hätte also nie im Topf der möglichen Villarreal-Gegner landen dürfen, ein neuer Gegner für die "Red Devils" musste her. Nachdem der Fehler aufgefallen war, wurde die Ziehung dieser Paarung sofort wiederholt. Neuer Gegner für Villarreal war dann Manchester City.
Fehler 2: Für das dritte geloste Team, Atletico Madrid, wurde Manchester United nicht wieder korrekt den Lostöpfen hinzugefügt. "Ein technisches Problem bei einem externen Dienstleister, der die Funktionäre darauf hinweist, welche Mannschaften noch potenziell gegeneinander spielen dürfen, hat einen materiellen Fehler bei der Auslosung verursacht", rechtfertigte sich die UEFA.
Man schiebt die Schuld also einem Drittanbieter zu. Die Konsequenz: Auf die Forderung von Atletico hin wurde die Auslosung wiederholt. Gut drei Stunden später und nach einer nervösen Erklärung von UEFA-Generalsekretär Giorgio Marchetti folgte die zweite, bisher gültige Auslosung.
Brisant: Mit Real Madrid kam ausgerechnet derjenige Klubam schlechtesten weg, dessen Präsident Florentino Perez mit seinen Bestrebungen zu einer unabhängigen Superliga der Topklubs sowieso schon im Streit mit der UEFA ist. Nach Montag geht der Ringkampf um Macht und Einfluss im europäischen Fußball nun in die nächste Runde. "Marca" titelte: "Neue Episode im Krieg zwischen Real und UEFA."