Welt

So verabschiedet sich Tschechien von Havel

Heute Redaktion
14.09.2021, 16:35

Tschechien verabschiedet sich am Freitag vom am vergangenen Sonntag verstorbenen ehemaligen Präsidenten Vaclav Havel. Auch der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer nimmt am Staatsbegräbnis in Prag teil.

Zur Trauerzeremonie versammelten sich zahlreiche Staats- und Regierungschefs im Veitsdom auf der Prager Burg zum Requiem, insgesamt waren über 1000 Trauergeäste versammelt. Die Zeremonie war nicht öffentlich zugänglich, die tschechische Bevölkerung versammelte sich auf Plätzen, um ihrerseits des beliebten ehemaligen Präsidenten zu Gedenken.

Tausende von Leuten verfolgten die zwei Stunden dauernde Trauerfeier auf Bildschirmen, die in der Nähe der Prager Burg sowie auch in vielen tschechischen Städten aufgestellt wurden. Das Tschechische Fernsehen übertrug live. In ganz Tschechien läuteten zu Beginn des Begräbnisses um 12.00 Uhr drei Minuten lang die Kirchenglocken und Sirenen ertönten zu Ehren Havels. Viele Tschechen hielten eine Schweigeminute, die Prager Regierung hatte sie dazu aufgefordert.

Sarkozy, Wulff und Cameron kommen

Als Redner traten der tschechische Präsident Vaclav Klaus, Außenminister Karel Schwarzenberg, die aus Prag stammende frühere US-Außenministerin Madeleine Albright und der Prager Bischof Vaclav Maly in Erscheinung. Die Gästeliste war sehr prominent. Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy, sein deutscher Amtskollege Christian Wulff und der britische Regierungschef David Cameron nahmen Teil. Die USA wurden vom ehemaligen Präsidenten Bill Clinton und von seiner Ehefrau, der jetzigen Außenministerin Hillary Clinton, vertreten.

"Wir werden für die Wahrheit und Liebe weiter kämpfen"

Der tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg bedankte sich bei Havel für die "Worte, mit denen er uns ab und zu zum Nachdenken gezwungen hat". "Wir werden für die Wahrheit und Liebe weiter kämpfen. Du kannst dich auf uns verlassen", sagte Schwarzenberg in Anspielung auf die bekannte Havels Parole aus der Zeit der "Samtenen Revolution" 1989: "Wahrheit und Liebe müssen Lüge und Hass besiegen."

Die in Prag geborene frühere US-Außenministerin Madeleine Albright würdigte Havel als einen "einzigartigen Menschen", der seine Kerkermeister mit der Wahrheit konfrontiert und die Kollaboration mit totalitären Regimes als ekelhaft betrachtet habe.

Nach dem Requiem verabschieden sich die Familie und Havels engste Freunde im Rahmen einer privaten Trauerzeremonie im Prager Krematorium im Stadtviertel Strasnice. Die Urne mit Havels Asche wird dann zu einem späteren Zeitpunkt in die Familien-Grabstätte gebettet.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen