So viel würden Coronapatienten aus Rumänien kosten

Abtransport eines Coronapatienten (Symbolbild).
Abtransport eines Coronapatienten (Symbolbild).Flugrettung
Impfnachzügler Rumänien bat um Hilfe, Tirol und NÖ sagten Hilfe zu. NÖ will zwei Patienten aufnehmen, die Kosten dafür: kein Pappenstiel. 

Die 7-Tages-Inzidenz liegt in Rumänien mittlerweile bei 1.500, immer mehr Infizierte benötigen stationäre Behandlung. Die Impfquote im Karpartenland ist am Boden. Rumänien suchte um Hilfe an, sieben von neun Bundesländern sagten jedoch Hilfe ab. Nur Tirol und NÖ sagten Hilfe zu - mehr dazu hier.

Einige Leser und auch Spitalspersonal konnten die nö. Entscheidung nicht nachvollziehen. Ein Leser: "Geht´s noch?! Bei uns werden OPs verschoben und dann holen wir Rumänen." Ein Pfleger aus Wr. Neustadt stößt ins selbe Horn: "Sorry, aber wir müssen Spitalsbetten freihalten und sogar Eingriffe verschieben und dann nehmen wir Patienten aus dem Ausland auf - mein Verständnis dafür hält sich in Grenzen." Immer wieder berichtete "Heute" über verschobene OPs wegen Corona - mehr dazu hier und hier.

"Ändert sich Lage, wird neu bewertet"

Eine Sprecherin der niederösterreichischen Landesgesundheitsagentur meinte Dienstagnachmittag auf Nachfrage: "Aufgrund der aktuellen Covid-Situation in Rumänien hat der Bund die freien Kapazitäten in den Ländern abgefragt und wie viele Patienten aufgenommen werden könnten. Die NÖ LGA hat angeboten, maximal 1-2 IntensivpatientInnen aufnehmen zu können und wartet nun auf eine Antwort. Sollte sich jedoch die Lage in NÖ verschärfen, muss das Angebot neu bewertet werden."

Zu den Kosten wollte die Landesgesundheitsagentur nichts sagen: "Die Kosten richten sich natürlich nach Behandlungsintensität und wir haben da keine Näherungswerte. Somit wäre jede Rechnung unseriös." Laut Landesgesundheitsagentur liege die Kostenübernahme beim Bund, genauer gesagt beim Bundeskrisenstab.

Staat Rumänien zahlt

Ein Sprecher des Innenministerium klärt auf: "Im Rahmen der internationalen Katastrophenhilfe hat Rumänien die europäische Staatengemeinschaft allgemein um Hilfe ersucht. Die Fallzahlen und Hospitalisierungen in Rumänien sind – wie auch im Ministeriumsübergreifenden SKKM-Koordinierungsstab beobachtet wurde – zuletzt stark gestiegen, wobei insbesondere der Großraum Bukarest betroffen ist; Das Rumänische Gesundheitssystem ist überlastet. Da Österreich auch stark von Rumänischen Staatsangehörigen – insbesondere in medizinischen und pflegenden Aufgabenbereichen – profitiert, hat Österreich die Übernahme von Patienten angeboten. Eine Entscheidung darüber ist aktuell Seiten Rumäniens noch ausständig. Patientenübernahmen passieren nur, wenn die Patienten das selbst wünschen, der Rumänische Staat für die Kosten hierfür aufkommt und die Transportfähigkeit für diesbezügliche Personen gegeben ist."

Hohe Transportkosten

Festzuhalten ist: Noch sind keine rumänischen Patienten in NÖ und die Landesgesundheitsagentur betont: "Wenn sich die Lage verschärft in NÖ, wird das Angebot neu bewertet." Dennoch: Alleine die Überstellung dürfte in den vierstelligen Eurobereich gehen. Ein Insider: "Wenn man beide Patienten mit einem Flächenflugzeug überstellen würde, wäre dies die billigste Variante. Der Weitertransport von Schwechat in ein nö. Spital erfolgt dann womöglich mit einem Christophorus. Also in Summe geht das in die Tausende."

Laut Innenministeriumssprecher ist die Lage so: "Der Transportweg wäre idealerweise am Luftweg Bukarest-Wien, der Weitertransport von Wien in jene Bundesländer, bei denen eine Übernahme von Patienten möglich ist (derzeit haben NÖ und T Unterstützungen angeboten) ist dann Patientenabhängig und wird von medizinischer Seite entschieden.Österreich hat in der Vergangenheit wiederholt Rumänische Feuerwehrleute, die bei Brandeinsätzen Verbrennungen erlitten hatten, übernommen, wobei die Kosten vom Rumänischen Staat getragen wurden. Diesbezüglich bestehen also Erfahrungen und Expertise und aus den bilateralen Kontakten im Rahmen des internationalen Krisenmanagement ist auch bekannt, dass Rumänien über erforderliche Lufttransportkapazitäten verfügt."

3.000 Euro pro Tag

Grundsätzlich ist ein Intensivbett teuer: Nehme man nur die aktuelle, amtliche Pflegegebühr pro Tag her - z.B. in Hainburg 625 Euro, in Gmünd-Zwettl-Waidhofen/Thaya 677 Euro, in Amstetten 819 Euro oder in St. Pölten-Lilienfeld 962 Euro, würde eine Woche pro Patient auf mehrere Tausend Euro kommen. "Entspricht natürlich nicht den tatsächlichen Kosten. Je nach Schwere des Verlaufes müssen 2 oder sogar 2,5 Pflegekräfte pro Intensivpatient abgestellt werden. Also 2.000 bis 3.000 Euro pro Tag ist meine eher niedrige Schätzung", so ein Verwaltungsmitarbeiter eines nö. Spitals.

Die Kosten für einziges Intensivbett beliefen sich etwa in Wien im Jahr 2012 auf 605.560 Euro, im Burgenland auf rund die Hälfte, im Ö-Schnitt auf 452.000 Euro - mehr dazu hier. In NÖ wurde 2012 ein Spitalintensivbett mit 1.900 Euro pro Tag bewertet - mehr dazu hier. Ginge man nun, von einem Wert von nur 2.000 Euro pro Tag aus, würde ein Patient pro Woche 14.000 Euro kosten. Mal zwei wären dies 28.000 Euro, plus Transport sind das gute 30.000 Euro pro Woche (schwach geschätzt). 

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