Sonderschulen soll es bald nicht mehr geben

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Das Modell der Sonderschule, in der behinderte oder verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche separat unterrichtet werden, soll bis 2020 zur Ausnahme werden. Stattdessen soll es flächendeckend inklusive Modellregionen geben, in denen Schüler mit und ohne besondere Bedürfnisse gemeinsam lernen. Ein Pilotprojekt dazu startet nächstes Jahr in der Steiermark. Für Experten sind die Pläne unrealistisch.

Das Modell der Sonderschule, in der behinderte oder verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche separat unterrichtet werden, soll bis 2020 zur Ausnahme werden. Stattdessen soll es flächendeckend inklusive Modellregionen geben, in denen Schüler mit und ohne besondere Bedürfnisse gemeinsam lernen. Ein Pilotprojekt dazu startet nächstes Jahr in der Steiermark. Für Experten sind die Pläne unrealistisch.

Hintergrund dieser Reformpläne ist der Nationale Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Menschenrechtskonvention, die Österreich schon 2008 ratifiziert hat. Vorgesehen ist darin der gemeinsame Unterricht von Schülern mit und ohne Beeinträchtigung unter einem pädagogischen Dach. Immerhin würden nicht nur Kinder mit Beeinträchtigung vom gemeinsamen Aufwachsen profitieren, sondern auch die anderen Schüler durch den Erwerb von mehr Konfliktfähigkeit und sozialen Kompetenzen.

Verschiedene Lernziele

In der Praxis soll der inklusive Unterricht funktionieren, indem bei den Modellversuchen, an denen alle Schulformen von Volksschule bis AHS und BMHS teilnehmen müssen, die Bildungsziele individuell festgelegt sind: Werden die einen Schüler im Gymnasium auf die Matura vorbereitet, sollen die anderen an ein autonomeres Leben mit weniger Abhängigkeit von Eltern und Betreuungspersonen herangeführt werden.

Extra Lehrerausbildung

Dafür sollen Kinder mit speziellem Förderbedarf zeitweise auch aus der Großgruppe herausgenommen werden: "Inklusion heißt nicht, dass alle Kinder immer zusammen sein müssen, sondern dass sie auch temporär in speziellen Gruppen oder Einzelbetreuung sein können." In jedem Fall müssen alle Lehrer für inklusives Unterrichten von Kindern mit und ohne Beeinträchtigung ausgebildet sein. Das sei auch in der neuen Lehrerausbildung verankert.

Sonderschulen nicht mehr nötig

Bis 2020 soll es die inklusiven Modellregionen in ganz Österreich geben. Dann sollen Sonderschulen nicht mehr notwendig sein. Für bestimmte Formen der Behinderung könnten aber auch weiterhin Spezialangebote gebraucht und angeboten werden - aber in einem Verbund oder in einem Campusmodell in einer nicht-aussondernden Weise. Allerdings sollen auch diese Kinder vom "Sozialen Miteinander" profitieren können.

Für Experten unrealistisch

Experten halten Pläne des Bildungsministeriums, bis 2020 Sonderschulen zur Ausnahme zu machen, für unrealistisch. "Das ist sehr unwahrscheinlich", verweist Bildungswissenschafter Stefan Hopmann auf enormen personellen, fachlichen und räumlichen Bedarf von Inklusionspädagogik. 2020 sei für einige Bundesländer "völlig weltfremd", so Inklusionsspezialist Gottfried Biewer (beide Uni Wien).
Im vergangenen Schuljahr gab es bundesweit gut 30.500 Kinder und Jugendliche mit Sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF), die wegen körperlicher oder psychischer Einschränkung spezielle Unterstützung im Unterricht benötigen. 61 Prozent der Schüler mit SPF wurden dabei integrativ und nicht in einer eigenen Sonderschule (Sonderpädagogisches Zentrum/SPZ) oder Sonderschulklassen unterrichtet. Der Anteil variiert allerdings je nach Bundesland stark: So werden in Tirol nur knapp 47 Prozent inklusiv unterrichtet, während es in der Steiermark 85 Prozent sind.

Der hohe Grad an Inklusion ist auch der Grund, wieso die Region Graz und Umgebung samt Voitsberg als erste Modellregion ausgewählt wurde.

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