Politik

Sozialminister Alois Stöger: "Nicht reden geht gar n...

Heute Redaktion
14.09.2021, 01:10

Sozialminister Alois Stöger im Interview über den Pensionshunderter ("Kritik berechtigt"), die Reform der Sozialversicherung und Pensionen ("Europa beneidet uns um unser System").

Sozialminister Alois Stöger im Interview über den Pensionshunderter ("Kritik berechtigt"), die Reform der Sozialversicherung und Pensionen ("Europa beneidet uns um unser System").
"Heute": Sie haben die London School of Economics mit einer Studie beauftragt. Sie soll unser Sozialversicherungssystem durchleuchten. Was soll das bringen?

Alois Stöger: Ich will, dass unser Sozialversicherungssystem ohne Scheuklappen und Tabus untersucht wird. Wir brauchen ein effizientes und zielgerichtetes Sozialsystem mit noch besseren Leistungen.

"Heute": Das können wir nicht selbst?

Stöger: Ich habe bewusst eine internationale und unabhängige Uni gewählt, um einen neuen Blickwinkel zu bekommen. Aber es sind auch viele Experten aus Österreich eingebunden.

"Heute": Die Studie kostet 630.000 Euro. Gab es eine Ausschreibung?

Stöger: Nein, es war eine Forschungsvergabe, keine Ausschreibung.

"Heute": Und wenn rauskommt, was Ihnen nicht so gut gefällt?

Stöger: Das Leben ist lebensgefährlich.

"Heute": Kann sein, dass die Studie die Fusion der 22 Sozialversicherungsträger empfiehlt?

Stöger: Ja, auch das wird überprüft.

"Heute": Sie haben sich zuletzt für die 36-Stunden-Woche und eine sechste Urlaubswoche ausgesprochen. Die Arbeitgeber wollen darüber nicht einmal reden…

Stöger: Das ist eine lange Diskussion mit dem Ziel, Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Nicht reden geht gar nicht.

"Heute": Wenn ein heute 20-Jähriger Sie fragt, ob er jemals eine Pension bekommen wird, was antworten Sie?

Stöger: Ja, wenn er gescheit wählt.

"Heute": Pensionen kann man wählen?

Stöger: Ja, es war immer die Sozialdemokratie, die Armut im Alter verhindert hat. Europa beneidet uns um unser Pensionssystem.

"Heute": Und das können wir uns auf Dauer leisten?

Stöger: Ja, man kann sich das Pensionssystem leisten, wenn man es sich leisten will.

"Heute": Gibt es auch 2017 einen Pensionshunderter?

Stöger: Den Pensionshunderter konnten wir uns heuer leisten, weil die Ausgaben für die Pensionen viel weniger stark gestiegen sind als eingeplant. Eine Kritik ist berechtigt, der Hunderter ist nicht nachhaltig, aber da mussten wir auch aufs Budget schauen.

"Heute": Trotzdem kann es ihn also auch 2017 wieder geben?

Stöger: Durch den Pensionshunderter werden 200 Millionen Euro bewegt. Das hilft den Geschäften, den Wintersportorten, dem Finanzminister über die Mehrwertsteuer. Ich habe nichts dagegen, wenn das Geld sofort ausgegeben wird.

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