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Sozialversicherung soll 120 Mio. Euro einsparen

Heute Redaktion
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Sozialminister Alois Stöger (SPÖ), Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) und Univ. Prof. Elias Mossialos (London School of Economics)
Sozialminister Alois Stöger (SPÖ), Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) und Univ. Prof. Elias Mossialos (London School of Economics)
Bild: picturedesk.com

Österreichs Gesundheitssystem läuft gut, die Menschen sind zufrieden. Trotzdem sollen Sozialversicherungen 120 Mio. € einsparen, plant Minister Stöger.

"Die gesundheitliche und soziale Versorgung in Österreich funktioniert gut" – das ist der Kernsatz einer 1.400 Seiten dicken Studie der renommierten „London School of Economics" über das heimische Sozialversicherungs- und Gesundheitssystem. Das Gesundheitswesen in Österreich sichere 8,8 Millionen Menschen den Zugang zu Versicherungsleistungen auf hohem Niveau. Österreich habe „den höchsten Zufriedenheitswert" aller europäischen Länder, heißt es in der Studie.

Die Studie wurde von Sozialminister Alois Stöger (SP) bereits 2016 in Auftrag gegeben und kostete stolze 630.000 Euro. Die Untersuchung soll helfen, die Kosten im Gesundheitssystem zu reduzieren. Heute, Donnerstag, präsentierten Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner (SP) und Stöger die Ergebnisse.

Geringe Verwaltungskosten

Mit nur rund zwei Prozent Verwaltungskosten der Sozialversicherung an den Gesundheitsausgaben ist Österreichs System billiger als die vergleichbaren Organisationen in den Niederlanden, Belgien oder der Schweiz. In Deutschland sind die Verwaltungskosten sogar doppelt so hoch.

Trotzdem verlangt Stöger, dass die Verwaltungskosten um 10 Prozent oder 120 Millionen Euro reduziert werden. Die insgesamt 21 Sozialversicherungsträger müssten dafür Leistungen harmonisieren und zentrale Bereiche wie Lohnverrechnung zusammenlegen. Das eingesparte Geld soll in den Leistungsausbau investiert werden. Wichtig ist Stöger auch der Abbau von Selbstbehalten. Diese „Steuern auf Kranke" sollten ersatzlos gestrichen werden. Auch ein einheitliches Krankenanstaltengesetz in Österreich sei notwendig.

Einsparungen

Die Studie präsentierte vier verschiedene Reformmodelle. Im besten Fall könnten insgesamt bis zu 845 Millionen Euro eingespart werden. Ob diese Reformmodelle auch politisch durchsetzbar sind, steht aber in den Sternen.

Kostentreiber Spital

Ein Kostentreiber sei die „Spitallastigkeit des Systems", klagte Gesundheitsministerin Rendi-Wagner. Statt sich vom niedergelassenen Arzt behandeln zu lassen, würden viele Österreicher direkt ins Krankenhaus gehen. Das erhöhe die Kosten, betonte auch Univ. Prof. Elias Mossialos, der die Studie erstellte.

Ein Beispiel für Einsparungen

Mossialos brachte ein Beispiel für Kostenreduktion: In einem kleinen Dorf im Umland von Wien leben hauptsächlich ältere Menschen, die Jungen pendeln oder wohnen in der Stadt. Von den wenigen Dorfbewohnern könnte ein praktischer Arzt nicht leben, deshalb gibt es keine Arztpraxis im Dorf. Die Dorfbewohner müssen also im Krankheitsfall ins Spital, sie haben keine andere Möglichkeit.

Mossialos meint, dass es billiger wäre, das Einkommen des Dorfarztes mit Förderungen attraktiver zu machen. Die Dorfbewohner würden dann vor Ort medizinisch betreut, und müssten nicht mehr ins Spital. Das Krankenhaus wiederum würde Kosten einsparen, die weit über der Förderung für den Dorfarzt lägen.

Die Studie zeigt auch, dass die Lebenserwartung in Österreich weder bei Männern noch bei Frauen zunimmt. Um diese bedenkliche Entwicklung zu stoppen, soll mehr in die Gesundheitsprävention investiert werden, erklärte Pamela Rendi-Wagner.

(GP)