"Verräter": Politiker will von SP zu VP, wird bedroht

Walter Aigner hat nach einem wahren Briefterror genug von der Politik in Molln.
Walter Aigner hat nach einem wahren Briefterror genug von der Politik in Molln.Gemeinde Molln, privat
Unzählige Briefe voll mit Drohungen und Beleidigungen hat ein Mollner Politiker erhalten. Nun zog er die Konsequenzen.

Hassbotschaften und Drohungen im Internet sind ein großes Problem. Im beschaulichen Molln (Bez. Kirchdorf) macht sich ein unbekannter Täter hingegen die "Mühe", klassische Briefe mit Beleidigungen zu verschicken. Und das seit vielen Wochen. Nun zieht ein Opfer die Konsequenzen.

Walter Aigner (53) kann nicht mehr: Unzählige Brief bekam der SPÖ-Politiker, der bei der kommenden Gemeinderatswahl als unabhängiger Kandidat auf der ÖVP-Liste kandidieren wollte, in den vergangenen Wochen. Der Inhalt: Beleidigungen und Drohungen, er wird als Verräter beschimpft. Als dann auch seine Frau und seine 84-jährige Mutter Opfer des Briefschreibers wurden, zog er die Notbremse.

Mutter und Frau bedroht

"Wir haben in der Familie beschlossen, dass ich mich aus der Politik zurückziehe" so Aigner im Gespräch mit "Heute". Dabei schickte sich Aigner eben erst an, auf der ÖVP-Liste für das Bürgermeisteramt in Molln (knapp 4.000 Einwohner) zu kandidieren.

"Die Briefe waren schrecklich, ich will den Inhalt gar nicht wiedergeben. Ich wurde beleidigt, diffamiert", so Aigner. Besonders schrecklich. "Meine Mutter bekam Briefe, in denen stand, dass sie mich besser abgetrieben hätte und in den Briefen an meine Frau stand, dass ich ein Verhältnis hätte", ist Aigner schockiert. Mehr als zehn Briefe bekamen er und seine Familie bisher.

Wer der Briefschreiber ist, weiß niemand in Molln. Fakt ist aber, dass schon seit Jahren Menschen in Briefen  beleidigt und bedroht werden. Alfred Platzer, Gründer einer Bürgerliste und einst ebenfalls Mitglied der SPÖ, ist ebenso Opfer wie der ehemalige SPÖ-Bürgermeister-Kandidat Manfred Hofbauer, der schon vor fünf Jahren die ersten Drohbriefe ertragen musste. Platzer hatte mehr als 30 der infamen Briefe bekommen.

Verfassungsschutz ermittelt

Selbst Personen, die nicht in der Politik sind, bekamen Briefe, in denen Aigner und seine Kollegen diffamiert und beleidigt wurden. "Das ist extrem belastend für die Menschen und natürlich für mich und meine Familie", so Aigner.

Aufgegeben wurden die Briefe, die teilweise per Hand oder am Computer geschrieben wurden, nicht nur in Molln, sondern auch in Grünburg. Um dem Briefterror ein Ende zu setzen, ermittelt nun das Landesamt für Verfassungsschutz. In Molln selber hat man sogar die Vermutung, dass es sich nicht um einen Einzeltäter handelt.

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