"Spaziergänger" kesselten Polizisten in St. Peter ein

Symbolfoto eines Polizisten auf einer Corona-Demo.
Symbolfoto eines Polizisten auf einer Corona-Demo.fotokerschi.at
Bei einer unangemeldeten Corona-Demo in St. Peter in der Au eskalierte die Lage am Mittwoch völlig. Demonstranten wollten zwei Festnahmen verhindern.

Es waren Szenen, die man so in Österreich eigentlich nicht kannte: In St. Peter in der Au (Bezirk Amstetten) trafen sich am Mittwochabend rund 100 Personen, etwa die Hälfte ohne Masken, zu einem "Spaziergang" durch die Ortschaft, um unangemeldet gegen die Corona-Maßnahmen zu demonstrieren. Dabei wurde die Polizei bedroht, eingekesselt und pausenlos beschimpft. Es kam seitens der Teilnehmer auch zu einem skandalösen Vergleich der Polizisten mit dem NS-Regime.

Der Reihe nach: Unter den Demonstranten sind viele ortsfremde Gäste, die teilweise aus Steyr (OÖ) angereist sind und schon viel Erfahrung mit "Spaziergängen" haben. Darunter auch ein amtsbekannter Demonstrant, der wie berichtet bereits in St. Pölten festgenommen worden war, weil er laut eigenen Angaben aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen kann, dafür aber aus Datenschutzgründen kein Attest herzeigen will.

Polizei wird eingekesselt

Er filmt wie schon zuletzt den gesamten Spaziergang und streamt ihn live auf Facebook, dabei nennt er die Polizisten trotz angeblicher Lungenprobleme Dutzende Male lauthals "Feiglinge". Zu sehen ist etwa bei der Hälfte der Übertragung, wie eine Frau von den Polizisten, die den "Spaziergang" begleiten, kontrolliert wird. Sie dürfte sich geweigert haben, ihre Identität preiszugeben. Daraufhin will die Polizei sie mit aufs Revier nehmen. Ein "Spaziergänger" in der Menge hat die Idee: "Kesseln wir die Polizei ein." Seinem lautstarken Aufruf kommen tatsächlich auf viele der Demonstranten nach.

Dann werden die Szenen bedrohlich. Rund zehn Polizisten werden von mindestens drei Mal so vielen Demonstranten eingekesselt, beschimpft, bedroht und beleidigt. Schlussendlich schaffen sie es, die Frau ins Polizei-Auto zu setzen und wegzufahren. Dabei kommt es zu Handgemengen, der Streifenwagen wird mehrfach beschädigt. Ein Demonstrant (51) verhält sich besonders aggressiv. 

Maskenverweigerer will Polizisten beißen

Die Polizei schildert später in ihrem Bericht die Festnahme so: "Ein aggressiver Versammlungsteilnehmer, der einige Minuten zuvor bereits wegen Missachtung der Maskentragepflicht beamtshandelt worden war, stieß einen Polizeibeamten mit Gewalt zur Seite, woraufhin er festgenommen wurde. Er leistete der Festnahme gewaltsam Widerstand, wollte einem Polizeibeamten den Einsatzstock entreißen und versuchte in weiterer Folge noch im Streifenwagen, die Beamten durch Bisse zu verletzen."

Auch diese Festnahme wollen einige Demonstranten verhindern. Dabei wird ein weiterer Streifenwagen von den Versammlungsteilnehmern beschädigt. Schlussendlich kann der 51-Jähre aus dem Bezirk Steyr auch abtransportiert werden. Erst danach beruhigt sich die Lage langsam wieder. Einige Teilnehmer fordern zwar, dass der Polizeistation St. Peter ein Besuch abgestattet wird, das verläuft sich aber. Zumal die Demonstration keinen Organisator hat und die teilnehmenden ortskundigen Einheimischen, die teilweise offensichtlich nicht mit einer derartigen Eskalation gerechnet hatten, eine andere Route wählen.

Beide wieder frei

Am Donnerstag wurde dann bekannt: Die Festnahme der weiblichen Person wurde nach Feststellung ihrer Identität auf der Polizeiinspektion St Peter in der Au wieder aufgehoben. Die Festnahme des 51-jährigen Mannes aus dem Bezirk Steyr-Land, wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt wurde nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft St Pölten aufgehoben und die Anzeige auf freiem Fuß erstattet. Weiters wurden sieben Personen wegen dem Nichtverwenden der Schutzmaske und weitere vier Personen wegen aggressiven Verhaltens angezeigt. Erhebungen hinsichtlich der schweren Beschädigungen zweier Streifenwägen werden von der Polizeiinspektion St. Peter in der Au geführt.

Dieser Schriftzug war zu lesen.
Dieser Schriftzug war zu lesen.LPD NÖ

Besonders befremdlich und bis dato noch nicht da gewesen war eine Projizierung folgenden Schriftzugs am Ende der Versammlung am Schloss St. Peter in der Au durch unbekannten Täter: "Wir befolgen Befehle: 1945 KZ Aufseher, 1990 Mauerschützen, 2021 Polizisten." Die Konfrontation mit den Polizisten dürfte also vorab bereits geplant gewesen sein. Ermittlung des Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung wurden in dieser Causa eingeleitet.

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